rhubarb
Bei Jagdflugzeugen: Opportunistisches Beschießen eines Ziels während des Fluges.
Rhubarb: opportunistische Tiefflugangriffe durch Jagdpiloten
In der Jagdfliegerei bedeutet Rhubarb, während eines Kampfeinsatzes einen ungeplanten Angriff auf ein Bodenziel durchzuführen. Der Pilot erkennt eine Gelegenheit, wählt ein Fahrzeug, eine Anlage oder Personal darunter aus und führt einen Schussanflug mit Bordwaffen oder Raketen durch, ohne vorherige Zuweisung oder Abstimmung. Der Begriff entstand in der Royal Air Force während des Zweiten Weltkriegs, besonders bei RAF-Spitfire- und Hurricane-Piloten, die über besetztem Europa operierten.
Das Wort trägt Konnotationen von Improvisation und persönlicher Initiative. Ein Pilot könnte einen feindlichen Lastwagentrupp auf einer Straße angreifen, oder einen Rangierbahnhof unter Beschuss nehmen, wenn der geplante Bombenanflug abgesagt wurde. Die Herkunft des Begriffs bleibt unklar, manche Quellen verbinden ihn mit einer Nonsense-Phrase, andere leiten ihn vom Geräusch von Geschützfeuer ab. Anders als bei einem geplanten Angriff basiert Rhubarb auf dem Urteil des Piloten, schnellem Entscheidungshandeln und dem aktuellen Treibstoff- und Munitionszustand des Flugzeugs.
Rhubarb-Einsätze brachten erhebliche taktische Risiken mit sich. Ein Tiefflugangriff setzt das Flugzeug Kleinwaffenfeuer, Flakartillerie und Sperrballonen aus. Piloten erlitten Gefechtsschäden, verloren Triebwerke oder hatten Hydraulikausfälle während der Anflüge. Der Treibstoffverbrauch für ungeplante Umwege reduzierte Reichweite und Einsatzzeit. Bei Formationsflug gefährdete das Ausbrechen eines Piloten zum Rhubarb-Einsatz den Verbandszusammenhalt und ließ die Flügelleute verwundbar zurück.
Die Praxis wurde toleriert, sogar gefördert, wenn Ziele legitimen militärischen Wert hatten und das Risiko vertretbar blieb. Eine beschädigte Lokomotive oder ein vernichteter Treibstofftank beschädigten auch opportunistisch feindliche Logistik. Aber Kommandanten erkannten die Spannung zwischen aggressiver Initiative und disziplinierter Taktik. Einige Verbände beschränkten Rhubarb-Einsätze auf ausgebildete Piloten oder schrieben Bestätigung durch den Flügelmann vor dem Eröffnen des Feuers vor.
Der Begriff hielt sich während des Kalten Krieges und erscheint in freigegebenen Kampfberichten und Pilotenberichten. Moderne Einsatzbestimmungen, abgestimmte Feuerkoordination und Echtzeit-Geheimdienstausstattung haben in großem Maße formalisiert, was Rhubarb einst bedeutete: die Lücke zwischen Zuweisungsauftrag und Gelegenheit am Gefechtsfeld.