Schaft
Englisch: shaft
Teil eines Webstuhls, der die Litzen hält und durch Tritte angehoben wird, um das Fach zu bilden.
Schaft: der Schaftrahmen, der die Fachbildung öffnet
An einem Webstuhl ist der Schaft ein starrer Rahmen, der Litzen trägt, die Schleifen aus Draht oder Schnüren, durch die die Kettfäden laufen. Wenn du die Tritte betätigst, heben oder senken mechanische Verbindungsglieder den Schaft ab, wodurch bestimmte Kettfäden angehoben werden, während andere unten bleiben und das Fach bilden, den dreieckigen Spalt, durch den das Schiffchen läuft. Ohne die rhythmische Bewegung des Schafts stoppt das Weben.
Ein typischer Schaft besteht aus Holz oder Stahlrohr und erstreckt sich über die volle Breite des Webstuhls. Jede Litze am Schaft hält einen einzelnen Kettfaden. Die Anzahl der Schäfte variiert je nach Webstuhltyp: Leinwandbindung benötigt nur zwei, während Jacquardwebstühle acht, zwölf oder mehr haben können. Höhere Schaftzahlen ermöglichen komplexere Muster, weil mehr Kombinationen angehobener und gesenkter Fäden möglich sind.
Trittsteuerung und Timing
Die Bewegung des Schafts wird durch einen Tritt, ein Fußpedal, gesteuert, das durch ein System aus Stangen, Nockenscheiben oder Hubvorrichtungen verbunden ist. Wenn du auf einen Tritt trittst, zieht oder drückt es Verbindungsstangen, die den Schaft um etwa 2,5 bis 5 cm anheben, je nach Webstuhl und Bindung. Das Timing muss präzise sein: Der Schaft muss hoch genug angehoben werden, um ein klares Fach zu bilden, dann vollständig abgesenkt werden, bevor der nächste Schuss kommt. An Handwebstühlen bestimmt der Weber diesen Rhythmus; an Kraftwebstühlen übernimmt eine Nockenscheibe oder ein elektronischer Regler die Kontrolle.
Häufige Probleme sind steckende oder verformte Schäfte durch Feuchtigkeitsaufnahme, verheddernde Litzen an den Schaftleisten oder ungleichmäßige Hebung über die Breite, was zu lockeren oder straffen Stellen im Fach führt. Verformung ist meist bei älteren Holzschäften durch Feuchtigkeitsschwankungen bedingt. In der Produktion verschwendet ein durchhängender Schaft Zeit, weil die Fäden nicht sauber anheben.
Der Begriff Schaft stammt von seiner Funktion: er ist buchstäblich die Achse oder der Balken, auf dem die Litzen laufen oder drehen. In manchen regionalen oder älteren Textilausdrücken können Schäfte auch Gestellteile oder Rahmen genannt werden, wobei Gestell oft die gesamte Litzen- und Verbindungsanordnung meint, nicht nur den Schaft selbst. Das Verständnis der Schäfte ist grundlegend, um zu erfassen, wie die Komplexität eines Webstuhls wächst: mehr Schäfte bedeuten mehr Fadenkontrolle, aber auch mehr Tritte, schwerere Ausrüstung und langsamere Webgeschwindigkeit pro Hub.