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Textiltechnik

Abbwolle

Englisch: abb-wool

Wolle, die zur Herstellung von Schussgarn für die Kette verwendet wird.

Abb-Wolle: grobe Fasern für starke Kettfäden

Abb-Wolle ist die grobere, kürzere Faser, die beim Kämmen von Rohwolle anfällt und speziell zum Spinnen von Kettgarn reserviert ist. Da Kettfäden beim Weben die Hauptlast und Spannung tragen, müssen sie unter ständiger Belastung bruchfest sein. Die groben Fasern der Abb-Wolle, typischerweise 2 bis 4 Zoll lang, verdichten sich beim Spinnen stärker und erzeugen ein Garn mit höherer Zugfestigkeit, als feinere Fasern bieten würden.

Der Aufbereitungsprozess trennt Abb-Wolle von hochwertigen gekämmten Fasern namens Tops, die zum Schuss oder zu Luxusanwendungen gehen. Eine Kämmmaschine oder Handkarden entfernen kürzere Fasern, pflanzliches Material und minderwertige Substanz aus der Wolle; Abb ist der Ausschussstrom dieses Vorgangs. Diese Aussortierung ist beabsichtigt: Festigkeit ist in der Kette viel wichtiger als Feinheit, denn der Webstuhl belastet sie ständig, und ein gerissener Kettfaden stoppt die Produktion sofort.

Die Kettaufbereitung erfordert ein Garn, das gegen Reibung durch Schäfte, Lade und Kettbäume widerstandsfähig ist und das die Schlichte oder Appretur verträgt, die aufgetragen wird, um Rauhheit zu reduzieren und die Verarbeitung zu verbessern. Spinnereien würden Abb-Wolle zu relativ dickem, fest gedrehtem Garn spinnen, manchmal zweifach oder dreifach, für maximale Haltbarkeit. Feineres Schussgarn konnte dann dagegen gewebt werden und erzeugte ein Gewebe mit stabiler Struktur und akzeptablem Griff.

Die Wirtschaftlichkeit von Abb-Wolle war unkompliziert: es war das Material, das nach der Gewinnung von Premiumfasern übrig blieb, daher war der Preis niedrig im Verhältnis zu seinem funktionalen Wert im Webstuhl. Eine arbeitende Spinnerei erzeugte Abb-Wolle kontinuierlich als Kämmabfall und nutzte sie für ihre eigene Kettproduktion, wodurch Abfall eliminiert und ein geschlossener Kreislauf in der Fasernversorgung der Spinnerei geschaffen wurde.

Der Begriff selbst leitet sich vom alten englischen und skandinavischen Wort für die in der Karde verbleibenden Fasern ab, verwandt mit Wörtern, die "ziehen" oder "kämmen" bedeuten. Nachdem Spinnereien im zwanzigsten Jahrhundert zu Baumwollketten und Kunstfasern übergingen, wurde Abb-Wolle zu einem Fachbegriff, der hauptsächlich in traditionellen Woll- und Mischfaserbetrieben sowie in historischen Berichten über vormoderne und frühindustrielle Textilproduktion anzutreffen ist.

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