schleifen
Englisch: snig
Einen Baumstamm mit einer an einem Ende befestigten Kette über den Boden ziehen.
Snig: Baumstämme über raues Gelände schleifen
Snigen heißt, einen gefällten Baumstamm über den Waldboden zu einer Ablage oder einem Sägewerk zu schleppen, dabei wird der Stamm am Boden gezogen statt über Seilbahn oder Lastkraftwagen transportiert. Eine Kette, ein Seil oder ein Tau wird am Stamm befestigt und von einer Winde, einem Traktor oder einem Tier gezogen, in der Regel in gerader Linie durch Gestrüpp, Stubben und unebenes Gelände. Der Stamm selbst rutscht oder rollt über Hindernisse hinweg, statt angehoben zu werden. Das bedeutet, der Betreiber spart Geschwindigkeit und Ausrüstungskosten gegen Bodenschäden und Stammverletzungen ein.
Die Praxis ist am ältesten in Regionen, in denen Holz in der Nähe von Wasserläufen oder etablierten Schleichwegen fiel. Ein Skidder, der moderne Forsttraktor mit integrierter Winde und Trommel, kann Stämme über Hänge und durch dichtes Unterholz schleppen, wo Räder nicht folgen können. Bei steilem Gelände oder nassem Wald ist Sniging unter Umständen die einzige praktikable Gewinnungsmethode neben Hubschrauber oder Seilbahn. Seillänge und Windenkraft bestimmen die Reichweite; typische Snig-Radien liegen je nach Gelände und Maschinenklasse zwischen 40 und 150 Metern.
Schäden sammeln sich beim Sniging an. Das führende Ende des Stamms gräbt sich ein und schält auf; das hintere Ende kann an Stubben hängenbleiben und unkontrolliert schwingen. Boden wird verdrängt, verdichtet und oft abgetragen, wodurch Wurzelsysteme freiliegen und Erosion an Hängen beschleunigt wird. Kleinere Bäume und Setzlinge in der Snigspur werden zertrümmert. Diese Auswirkungen haben Sniging in naturschutzorientierter Forstwirtschaft umstritten gemacht und drängen Betreiber zu Seilsystemen oder kürzerer mechanischer Schleppung.
Der Ursprung des Begriffs selbst ist unklar, aber im englischen Forstjargon bereits Mitte des 20. Jahrhunderts belegt. Vermutlich schottischen oder Nordengländer Ursprung. Snig könnte zu snag verwandt sein oder aus skandinavischen Sprachen stammen, die im Holzhandel verbreitet sind. Verwandte Begriffe sind skid (eine geräumte Schleppstrecke), snigger (Person oder Maschine, die snigt), und winch (der Zugmechanismus).
Moderne Industrieforstschaft nutzt Sniging hauptsächlich als Sekundär- oder Aufarbeitungsbetrieb. Primärgewinnung bevorzugt Feller-Buncher und Forwarder, die Stämme auf Träger laden, oder Seilsysteme, die Lasten hängend transportieren. Sniging bleibt in Kleinwaldwirtschaft, Steilhangeinsätzen und bei Aufarbeitung von Windwurf erhalten, wo Kapitalkosten und Zufahrtshindernisse es trotz Umweltauswirkungen zur praktischen Wahl machen.