Abstellgleis
Englisch: stabling siding
Ein Lagergleis für Schienenfahrzeuge, besonders für Personenzüge, die nicht im Dienst sind.
Abstellgleis: wo Züge zwischen den Einsätzen ruhen
Ein Abstellgleis ist ein eigens dafür vorgesehener Gleisabschnitt, auf dem Personenzüge oder anderes Rollmaterial abgestellt werden, wenn sie nicht im aktiven Dienst sind. Es funktioniert als Abstellbereich oder Lagerfläche, üblicherweise an oder nahe einem großen Kopfbahnhof, einer Betriebswerkstatt oder einem Bahnhofsgelände. Im Gegensatz zu einem Arbeitsgleis, das an eine aktive Strecke angebunden ist, dient ein Abstellgleis ausschließlich dazu, Fahrzeuge zu lagern, die ihre Fahrt beendet haben oder auf ihren nächsten Einsatz warten.
Abstellgleise belegen auf stark frequentierten Bahnhöfen erhebliche Flächen, da Personenzuggarnituren lang und schwer sind. Ein einzelner zehnteiler Zug benötigt zwischen 400 und 600 Meter Gleislänge. Große Bahnhöfe verfügen häufig über mehrere parallele Abstellgleise, um den täglichen Wechsel von Ankunft und Abfahrt bewältigen zu können. Das Gleis muss über Weichen an die Hauptstrecke angebunden sein, damit Züge zu- und abfahren können, ohne die Fahrgleise zu blockieren.
Auslegung und praktische Anforderungen
Der Gleisaufbau eines Abstellgleises ist relativ einfach, aber die Lage ist entscheidend. Es muss so positioniert sein, dass Züge mit möglichst kurzer Verzögerung aus dem Dienst genommen oder wieder in Dienst gestellt werden können, ohne Fahrgastbewegungen zu behindern. Viele Abstellgleise befinden sich in separaten Lageryards abseits des Bahnsteigbereichs. Das Gleis selbst muss ebenerdig oder mit sehr geringen Steigungen verlaufen, um Selbstläufigkeit zu vermeiden, wobei die moderne Praxis fast immer mechanische Sicherung oder blockierte Bremsen vorsieht.
Der Infrastrukturbedarf ist gering im Vergleich zu Arbeitsgleisen. Normalerweise sind keine komplexe Signaltechnik, Ladeeinrichtungen oder spezielle Anlagen erforderlich. Allerdings können Abstellanlagen für Personenzüge mit Vorrichtungen für Personalbewegungen, Leichtreparaturen, Wassernachfüllung oder Tankvorgängen ausgestattet sein, je nach Zugtyp und Anforderungen des Betreibers. Dieseltriebwagen und Elektrotriebwagen haben unterschiedliche Abstellbedürfnisse: Dieselfahrzeuge benötigen möglicherweise Tankstellen, während Elektrofahrzeuge lediglich an der Ober- oder Stromschiene angeschlossen werden.
Der Begriff Abstellgleis leitet sich von der Analogie zu einem Pferdestal ab: ein Platz, wo Fahrzeuge zwischen ihren Einsätzen ruhen. Er unterscheidet sich von Gleisen, die zum Rangieren, für Reparaturen oder zur Lagerwirtschaft genutzt werden. In dicht ausgelasteten Nahverkehrsnetzen beeinflusst die Effizienz der Abstellvorgänge unmittelbar die Fahrplanpünktlichkeit, da die Geschwindigkeit beim Ein- und Ausrücken von Zügen bestimmt, wie schnell sie wieder in den Fahrplan aufgenommen werden können.