Rangierbahnhof
Englisch: classification yard
Ein Bahnhof, in dem ankommende Güterzüge in verschiedene Gleise sortiert werden.
Rangierbahnhof: wo Güterzüge auseinandergenommen und neu zusammengestellt werden
Ein Rangierbahnhof ist eine Eisenbahnanlage, in der ankommende Güterzüge auseinandergenommen, ihre Wagen nach Ziel oder Frachtart sortiert und zu neuen Zügen zusammengestellt werden. Statt einen einzelnen schweren Zug direkt durch das Netz zu schicken, nutzen Eisenbahnen diese Bahnhöfe, um den Verkehr zu bündeln: Ein ankommender Zug mit gemischtem Frachtgut für zwanzig verschiedene Ziele wird entkuppelt, seine Wagen auf separaten Gleisen bereitgestellt, und neue Züge gebildet, die Wagen mit gleichem Ziel zusammenfassen. Diese Rangiertätigkeit macht den Schienengüterverkehr über lange Distanzen wirtschaftlich.
Der physische Aufbau eines Rangierbahnhofs spiegelt seine Funktion wider. Ein typischer Bahnhof hat einen Empfangsbereich für ankommende Züge, einen Humpen- oder Sortierbereich, in dem Wagen abgestoßen oder hangabwärts rollen, ein Gleisfeld mit parallelen Nebengleisen zum Halten und Sortieren, und einen Abfahrtsbereich für die Zusammenstellung ausgehender Züge. Humpenbahnhöfe nutzen die Schwerkraft: Eine Lokomotive schiebt Wagen den Humpen hinauf, kuppelt sie einzeln ab, damit sie zum richtigen Nebengleis hinunterollen. Flachbahnhöfe verlassen sich auf Rangierlokomotivenführer, um Wagen manuell zu positionieren. Moderne Bahnhöfe haben Bremsvorrichtungen, mechanische oder pneumatische Bremsgeräte im Humpengleis, um die Wagengeschwindigkeit zu kontrollieren und Zusammenprall im Gleisfeld zu verhindern.
Rangierbahnhöfe bewältigen enormes Aufkommen. Ein großer Bahnhof kann 2000 bis 3000 Wagen pro Tag abfertigen. Wagen treffen in Zügen zu 50 bis 150 Einheiten ein, jeder mit bis zu 30 Tonnen Gewicht bei Beladung. Die Arbeit ist arbeitsintensiv: Wagenkuppler fahren auf Zügen, kuppeln Wagen manuell zu und ab und sperren Handbremsen. Rangiermeister und Bahnhofsmeister lenken die Operationen von Türmen oder mobilen Kommandozentralen, lesen Rangierlisten, die festlegen, welche Wagen zu welchen Zielen gehen, und überwachen die Gleisbelegung. Verwirrung oder Missverständigung können Entgleisungen, Staus oder blockierte Nebengleise verursachen, die Verspätungen durchs ganze Netz verursachen.
Der Begriff Rangierbahnhof spiegelt die Kernoperation wider: das Sortieren. Das Wort Bahnhof leitet sich von eingezäunten Eisenbahnanlagen ab, wo Rangieren und Lagerung erfolgen, unterschieden von der Hauptstrecke. Rangierbahnhöfe werden auch Güterbahnhöfe genannt oder im englischen Sprachraum als marshalling yards bezeichnet, wobei Letzteres besonders in britischem und europäischem Gebrauch vorkommt, oder switching yards, obwohl dies auch kleinere Anlagen mit eingeschränkter Sortierung bezeichnen kann. Ein gravity yard betont die Humpenmethode; ein flat yard oder Empfangsgleis bezeichnet das Fehlen eines Humpens.
Rangierbahnhöfe bilden das Rückgrat der Güterbahn-Operationen und sind typischerweise an großen Knotenpunkten oder regionalen Drehscheiben positioniert, wo viele Linien zusammenlaufen. Sie sind teuer zu bauen und instand zu halten, erfordern Land, Eisenbahninfrastruktur, elektrische Systeme für Bremsvorrichtungen und Beleuchtung sowie ständige Besetzung. Eisenbahnunternehmen betreiben pro Region nur wenige große Rangierbahnhöfe; kleinere Bahnhöfe gibt es an Industriegleisen und Kundenanlagen. Der Anstieg des kombinierten Verkehrs (Container und Sattelauflieger auf Schienen) und Just-in-Time-Logistik hat einige Eisenbahnen dazu bewogen, Rangierbahnhöfe zu umgehen, indem sie mehr direkte Punkt-zu-Punkt-Züge fahren, doch hochfrequente Güterrouten sind weiterhin auf Bahnhöfe angewiesen, um Teilladungen zu bündeln und Ausrüstung durchs Netz auszugleichen.