Bestockung
Englisch: tillering
Eigenschaft von Grasarten, mehrere Seitentriebe oder Bestockungstriebe zu bilden.
Bestockung: wenn eine Graspflanze seitlich austreibt
Bestockung ist die Fähigkeit einer Graspflanze, neue Triebe, sogenannte Seitentriebe, zu bilden, die lateral von der Basis des Haupthalmes oder von unteren Knoten auswachsen. Jeder Seitentrieb entwickelt sein eigenes Wurzelsystem und oberirdisches Wachstum und verwandelt so einen einzelnen Keimling innerhalb weniger Wochen in eine mehrtriebige Pflanze. Diese Verzweigungsweise ist grundlegend dafür, wie Gräser Beweidung überstehen, nach dem Schnitt wieder austreiben und einen dichten Pflanzenbestand aufbauen.
Der Prozess beginnt, wenn sich axillare Knospen am Blattansatz aktivieren und durch die Blattscheide durchdringen, wobei sie auf Bodenhöhe oder knapp darunter austreten. Eine gut bestockte Pflanze kann je nach Art, Sorte, Bodenfruchtbarkeit und Wuchsbedingungen 5 bis 20 oder noch mehr Triebe bilden. Getreidearten wie Weizen und Gerste werden auf aggressives Bestockungsvermögen hin gezüchtet, um die Ährenproduktion pro Pflanze zu maximieren. Futtergräser wie Deutsches Weidelgras und Lieschgras bestocken reichlich, weshalb eine geringe Aussaatstärke (8 bis 10 kg/ha) dennoch innerhalb einer Vegetationsperiode einen vollständigen Pflanzenbestand erreichen kann.
Zeitpunkt und Umweltfaktoren
Die Bestockung beginnt kurz nach dem Aufgang des Keimlings und dauert während der vegetativen Wachstumsphase an. Kaltzeitgräser bestocken besonders kräftig im Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen moderat sind und die Wasserversorgung zuverlässig ist. Trockenheit, tiefe Beschattung und hohe Stickstoffgaben ohne ausreichend Phosphor und Kalium hemmen alle die Bestockung. Dichte Beschattung durch Unkraut oder durch den Bestand selbst beendet schließlich die Triebbildung, sobald die Pflanze das Reproduktionsstadium erreicht.Der Begriff 'Seitentrieb' geht auf Altenglisch 'tilian' zurück, was so viel wie 'Boden bearbeiten' bedeutet; in der modernen Agronomie bezieht sich der Begriff allerdings streng auf den Trieb selbst. Bei der Getreidezüchtung kann übermäßige Bestockung unerwünscht sein, weil sie die Ährenentwicklung und Reife verzögert; moderne Weizensorten werden oft auf mittlere Bestockung gezüchtet. Bei Grünlandbeständen, die für Heu oder Silage bewirtschaftet werden, gewährleistet starke Bestockung eine schnelle Erholung nach dem Schnitt und die Dauerhaftigkeit des Bestandes über mehrere Ernten oder Weidezirkel hinweg.
Agronomem bewerten die Triebdichte (Seitentriebe pro Quadratmeter), um die Bestandsvitalität zu überwachen und das Ertragspotenzial vorherzusagen. Ein Weizenbestand mit weniger als 150 Seitentrieben/m² im Stadium der Schossreife wird möglicherweise Schwierigkeiten haben, den angestrebten Kornertrag zu erreichen, während ein Weidelgrasbestand mit 1000 bis 1500 Trieben/m² auf gute Ausdauer und Produktionsleistung hindeutet. Das Verständnis des natürlichen Bestockungsmusters einer Art und der Bedingungen, die es fördern oder hemmen, ist entscheidend für Weidewirtschaft, Schnittzeitpunkt und Nachsaatentscheidungen bei der Weidenverbesserung.