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Landtechnik

Zungenveredlung

Englisch: tongue grafting

Ein Veredlungsverfahr, bei dem ein Edelreis durch übereinstimmende lange schräge Schnitte und ineinandergreifende Zungenschnitte mit einer Unterlage verbunden wird, um den Kambiumkontakt zu maximieren und eine starke Verbindung zu erzielen.

Zungenveredelung: der Schrägeschnitt, der Edelreis und Unterlage verzahnt

Die Zungenveredelung ist eine Handveredelungsmethode zum Verbinden von Edelreis (oberem Triebholz) mit einer Unterlage durch abgestimmte Schrägschnitte auf beiden Teilen und ineinandergreifende Kerben, die kleine Zungen ähneln. Die beiden Teile fügen sich wie eine Schwalbenschwanzverbindung ineinander und halten sich selbst in Position, während das Kambium (das lebende Gewebe unter der Rinde) zusammenwächst und ein durchgehendes Gefäßsystem bildet. Diese Methode funktioniert bei Holzpflanzen, besonders bei Obstbäumen und Weinreben, und erfordert, dass Edelreis und Unterlage ungefähr gleich dick sind, typischerweise zwischen bleistiftdünn und fingerdickt.

Die Schnittfolge ist entscheidend. Der Veredler macht zunächst einen langen, sauberen Schrägschnitt durch Edelreis und Unterlage und legt das Kambium frei. Der Winkel liegt typischerweise zwischen 25 und 35 Grad zur Horizontalen. Dann wird auf jeder Schnittfläche ein zweiter Schnitt etwa ein Drittel der Tiefe hinunter angesetzt, wodurch auf dem oberen Teil eine kleine Zunge und auf dem unteren Teil eine passende Kerbe entsteht. Beim Zusammenfügen greift die Zunge des Edelreises in die Nut der Unterlage. Die ineinandergreifende Geometrie schafft mechanischen Halt und stabilisiert die Veredelung in den ersten Stunden ohne Bindematerial, ein großer Vorteil in der Praxis.

Der Kambiumkontakt ist das Grundprinzip. Der Schrägschnitt legt wesentlich mehr Kambiumfläche frei als ein einfacher horizontaler Schnitt; je länger die Schräge, desto mehr Gewebe kann verwachsen. Deshalb bildet die Zungenveredelung schnell starke Verbindungen. Eine gut ausgeführte Veredelung zeigt bereits nach zwei Wochen Kallus und kann nach vier bis sechs Wochen sein Eigengewicht tragen, je nach Jahreszeit und Art. Die ineinandergreifenden Zungen verringern auch das Risiko, dass der Edelreis seitlich verrutscht, was die dünne neu gebildete Kallusschicht beschädigen und Wochen des Heilungsvorgangs zunichtemachen kann.

Varianten und Grenzen

Peitschenveredelung und Zungenveredelung werden manchmal gleichgesetzt, obwohl die Peitschenveredelung technisch die einfachere Methode mit nur einer Zunge ist, während die Zungenveredelung auf beiden Teilen passende Zungen hat. Spaltveredelung und Rindenveredelung sind grössere Methoden für dickere Unterlagen oder Feldrepamatur; die Zungenveredelung verlangt saubere Schnitte und engere Dickenabtimmung, deshalb wird sie in Baumschulen bevorzugt, wo die Holzqualität kontrolliert ist. Die Methode scheitert in nassen, kalten Jahreszeiten, wenn die Kallus stagniert, und in trockenen Bedingungen kann das freigelegte Kambium austrocknen, bevor die Verwachsung stattfindet. Der Erfolg hängt von scharfem Werkzeug, sauberen Schnitten und schnellem Umbinden mit Veredelungsband oder Wachs ab, um die Veredelung zu versiegeln, ohne die Luft völlig auszuschließen.

Der Name bezieht sich auf die Form der Schnitte. Frühe Veredler beobachteten, dass die Kerben einer Nut und Feder ähnelten, wie sie in der Zimmerei verwendet wird, und der Name setzte sich in der Gartenbau-Fachliteratur durch. Die Methode wird seit Jahrhunderten verwendet, besonders in der europäischen Obstbaum-Vermehrung, und bleibt Standard in Baumschulen, weil sie schneller als Okulavation und zuverlässiger bei ruhendem Holz als viele andere Methoden ist. Moderne Veredler verwenden die Zungenveredelung bei Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschenunterlagen, und sie ist die bevorzugte Methode zum Anlegen neuer Rebblöcke, wo Edelreis und Unterlage eng abgestimmt werden müssen für Krankheitsresistenz und Wuchskraft.

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