Eisenbahn-Fähre
Englisch: train ferry
Eine Fähre zum Transport von Schienenfahrzeugen von einer Bahnstrecke zu einer anderen über ein Gewässer hinweg.
Eisenbahnfähre: Roll-on-Schiff für komplette Güterzüge
Eine Eisenbahnfähre ist ein spezialisiertes Schiff zum Transport von Güterwagen und Lokomotiven über Wasser, ohne den Zug auseinanderzunehmen. Das Schiff hat Gleise auf seinem Deck in gleicher Höhe wie die Zufahrten an Land verlegt, so dass Züge unter Eigenantrieb oder geschleppt direkt an Bord rollen können. Die Fähre befördert die Eisenbahnfahrzeuge dann über eine Meerenge, einen Fluss oder offenes Wasser, um ihre Fahrt auf Gleisen auf der anderen Seite fortzusetzen. Das ist grundsätzlich anders als bei Containerschiffen oder speziellen Roll-on-Roll-off-Schiffen (RoRo): Die Fähre erhält den intakten Zugverband, das heißt, die Wagen bleiben während der Überfahrt an ihren Loks gekuppelt.
Eisenbahnfähren arbeiten mit Gleisen auf dem Deck, die bündig mit den Landungsbrücken abschließen. Ein Zug nähert sich unter Eigenantrieb, kuppelt an ein Winselsystem an und wird gezogen oder rollt unter kontrollierter Bremse an Bord. Nach der Sicherung mit Keilen und Lashings verlässt die Fähre den Hafen. Das Schiff muss die Stabilität halten, da ein beladener Zug eine große bewegliche Masse darstellt; Ballasttanks gleichen aus, wenn Loks und schwere Wagen sich auf dem Deck positionieren. Die Überfahrtsdauer reicht von unter einer Stunde auf kurzen Strecken bis zu ganzen Nächten auf längeren Passagen. Bekannte Eisenbahnfähren haben in der Ostsee, im Mittelmeer und zwischen Großbritannien und dem Festland verkehrt, doch die meisten wurden durch Brückenbau oder Straßentransport abgelöst.
Die Konstruktion setzt strenge Grenzen: Die Kopffreiheit auf dem Deck beschränkt die Dachenhöhe von Loks und Wagen, typischerweise im Bereich 4,1 bis 4,5 Meter je nach Strecke. Die Breite und der Tiefgang der Fähre werden zu kritischen Faktoren; enge Meerengen wie der Große Belt erfordern Schiffe mit strikten Abmessungen. Die Gewichtsverteilung wird streng kontrolliert, da ein ungleich verteilter Zugverband zu gefährlicher Schlagseite führt. Einige Eisenbahnfähren beförderten nur Güterwagen, andere wurden für Personenzüge ausgelegt und konnten Schlaf- und Speisewagen ohne Umkupplung aufnehmen.
Rückgang und Bestand
Die Eisenbahnfährenflotten sind seit den 1980er Jahren stark geschrumpft, da Brücken- und Tunnelbauten Wasserübergänge überflüssig machten und internationaler Straßengüterverkehr Fracht umgelenkt hat. Der Eurotunnel beendete die letzten britischen Eisenbahnfährrouten in den 1990er Jahren. Allerdings halten sich Kurzstrecken-Fähren in Skandinavien und bleiben die einzige praktische Lösung in manchen geografischen Situationen, besonders dort, wo Brückenbau prohibitiv teuer oder politisch unmöglich ist. Russland betreibt Eisenbahnfähren über die Newa, und Ostsee-Routen sehen noch regelmäßigen Verkehr.
Der Begriff selbst spiegelt das Fährkonzept im Schienenverkehr: Das Schiff ist das Transportmittel, das den Zug befördert, nicht umgekehrt. Moderne Betreiber unterscheiden diese von Automobil-RoRo-Schiffen, die Lastkraftwagen und Pkw befördern, aber keine gekuppelten Zugverbände. Jedes Schiff, das diese Funktion erfüllt, heißt Eisenbahnfähre nach Branchenkonvention, unabhängig von Größe, Antriebsart oder Auslegung für Flussfahrt, ob dieselgetrieben, eisbrechend oder anderes.