Wanderung
Englisch: walk
Neigung eines Werkzeugs, während des axialen Vorschubs radial auszuweichen, entweder in Richtung auf die Mitte oder von der Mitte weg. Die Wanderung kann gewünscht sein (z.B. wenn eine Reibahle zum Erreichen der Konzentrizität einläuft) oder unerwünscht (z.B. wenn ein Spiralbohrer in Exzentrizität einläuft).
Walk: Radialer Versatz während axialer Schnittbewegung
In der Zerspanung bezeichnet Walk die radiale Bewegung eines Schneidwerkzeugs beim axialen Vorschub in das Werkstück. Das Werkzeug weicht seitwärts von seiner Sollbahn ab, entweder zur Spindelachse hin oder von ihr weg, während es gleichzeitig in den Werkstoff eindringt. Dies geschieht, weil die Schneiden auf ungleichen Widerstand treffen oder weil die Werkzeuggeometrie unter Last eine seitliche Verschiebung begünstigt.
Walk ist häufig bei Bohr- und Reibvorgängen anzutreffen. Ein Spiralbohrer, der dezentral abweicht, erzeugt ein übergroßes, exzentrisches Loch; die Werkzeugspitze wandert bei jedem Schnitt schrittweise zur Seite. Ein Reibahle hingegen wandert beim Eindringen in ein Pilotloch oft zur Mittellinie hin und korrigiert ihre Position selbsttätig, weil mehrere Schneiden und ein größerer Körper Führung bieten. Das Phänomen hängt von der Werkzeuggeometrie, dem Vorschub, der Drehzahl, der Schneidflüssigkeit und der Werkstoffhärte sowie Kornstruktur des Werkstücks ab.
Wenn Walk nutzt und wenn er schadet
Gezielter Walk beim Reiben kann die Lochgenauigkeit verbessern. Die Reibahlengeometrie nutzt die Werkzeug-Werkstück-Wechselwirkung, um sich in die Mittellage einzustellen und das Auslauffehler des fertigen Lochs zu verringern. Unkontrollierter Walk beim Bohren zerstört die Toleranzen: Ein 6,35-mm-Bohrer, der 0,5 mm dezentral abweicht, erzeugt ein Loch, das an der breitesten Stelle 7,35 mm groß ist, wodurch das Werkstück Ausschuss wird. Walk ist am schlimmsten bei tiefen Löchern, dünnwandigen Rohren und Werkstoffen, die zur Kaltverfestigung neigen wie Edelstahl oder Gusseisen.
Fachleute beherrschen Walk durch Arbeitsweise: scharfe Werkzeuge einsetzen, optimalen Vorschub und Drehzahl halten, ausreichend Kühlmittel zuführen und starre Aufspannungen wählen. Bohrvorrichtungen und Kühlmittelzufuhr durch die Spindel verringern Walk durch zusätzliche Abstützung nah am Schneidpunkt. In der Serienfertigung wird Walk-Toleranz als Gesamtauslauffehler (TIR) am fertigen Loch vorgegeben; eine typische Vorgabe für ein geriebenes Loch liegt bei 0,012 mm TIR oder besser.
Der Begriff Walk beschreibt die sichtbare Bewegung des Werkzeugs, wenn es beim Eindringen über die Werkstückoberfläche wandert, ähnlich wie eine Person über unebenen Untergrund geht. Er unterscheidet sich von Rattern (Vibration) oder Durchbiegung (elastische Verformung), wobei alle drei zusammen auftreten und Oberflächenfinish und Lochgeometrie verschlechtern können.