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Textiltechnik

Peitschenstich

Englisch: whip stitch

Einfacher Stick- oder Handnähstich, bei dem die Nadel in einer Reihe von Stichen um die Kante eines Gewebes herum ein- und ausgestochen wird.

Peitschenstich: Kantenbindung mit Schleifen und Verriegelung

Der Peitschenstich ist eine von Hand genähte Kantenverarbeitung, bei der die Nadel in einem flachen Winkel entlang oder knapp unter der Stoffkante verläuft und den Faden um die Kante oder Falte schlingt, um sie zu binden und zu säubern. Im Gegensatz zu einem Laufstich, der gerade durch den Stoff geht, arbeitet der Peitschenstich hauptsächlich an der Oberfläche und erfasst nur ein oder zwei Fäden der Falte, während der Hauptfaden um den Umfang herumlaufen. Das macht ihn ideal zum Schließen von Nahtlücken, zum Befestigen von Applikationen und zum Versäubern von Wolldeckenkanten ohne Volumenvermehrung.

Der Stich funktioniert, indem die Nadel fast parallel zur Kante angewinkelt wird, nicht senkrecht dazu. Der Faden tritt von innen aus der Falte oder knapp unter der Oberfläche aus, schwingt dann in einem sanften Bogen um die Außenkante und tritt ein kurzes Stück weiter vorne, meist 2 bis 4 Millimeter, wieder in die Falte ein. Jeder Durchgang erzeugt eine kleine Fadenschleife, die die Kante an Ort und Stelle hält. Die Spannung muss moderat bleiben: zu fest und der Stoff kräuselt; zu locker und die Kante rollt sich auf oder fädelt auf.

Varianten und Anwendungen

In der industriellen Textilverarbeitung ist der Peitschenstich weniger verbreitet als mechanische Kantenversäuberung, bleibt aber Standard für Handausbesserung, Erbstückarbeiten und hochwertige maßgefertigte Teile. Ein Leiterstich (oder unsichtbarer Stich) ist ein naher Verwandter, der Nähte von innen schließt und fast keinen sichtbaren Faden auf der Außenseite hinterlässt. Das Versäubern von Deckenkanten, Quilts und Filz erfolgt häufig mit einem einfachen Peitschenstich in passendem Garn. Bei Applikationsarbeiten muss der Stich Stoffteile unsichtbar oder mit bewusst kontrastierendem Garn zu dekorativen Zwecken befestigen.

Der Name stammt von der Bewegung des Fadens: er peitscht um die Kante herum, anstatt sich durch sie zu bohren. Der Stich hinterlässt eine Reihe kleiner Schleifen entlang des Umfangs und erzeugt eine Verarbeitung, die funktional und bei sauberer Ausführung nahezu unsichtbar ist. Die Garnwahl ist entscheidend: dickere Garne oder Spezialgarn fallen deutlich auf, während feines Baumwoll- oder Seidengarn sich bei passenden Stoffen nahtlos in die Kante einfügt.

Häufige Probleme sind Kräuselung (zu viel Spannung oder zu weit auseinander liegende Stiche), sichtbares Garn auf der Stoffvorderseite (Nadel dringt zu tief ein) und die Kante rollt sich nach dem Nähen noch auf (Garn zu locker oder zu wenig Stiche pro Zentimeter). Der Stich ist arbeitsintensiv und lässt sich nicht beeilen; die Produktionsgeschwindigkeit hängt allein von Geschicklichkeit und Handgeschwindigkeit des Arbeiters ab, was ihn für die Großserienproduktion unpraktisch macht.

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