Automatische Zugbeeinflussung
Englisch: automatic train control
Ein Zugschutzsystem mit einer Geschwindigkeitsregeleinrichtung, die auf externe Eingaben reagiert. Das System kann beispielsweise eine Schnellbremsung auslösen, wenn der Fahrer nicht auf ein Signal reagiert.
Automatische Zugbeeinflussung: Notbremsung wenn Fahrer nicht reagieren
Die Automatische Zugbeeinflussung (ATC) ist ein Sicherheitssystem, das die Zuggeschwindigkeit und Signalbilder überwacht und die Bremsen automatisch betätigt, wenn der Fahrer nicht auf eine Warnung reagiert oder sich einem Haltesignal nähert. Im Unterschied zu passiven Systemen, die nur die Besatzung warnen, greift die ATC aktiv ein, um Geschwindigkeitsüberschreitungen und das Vorbeifahren an Haltesignalen (SPAD) zu verhindern. Das System sitzt zwischen der Streckenausrüstung und der Bremsanlage des Zuges und trifft unabhängig Entscheidungen über die Verzögerung, ohne auf menschliche Eingriffe zu warten.
ATC-Systeme arbeiten typischerweise über eine Streckenausrüstung, die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Signalbilder auf einen Empfänger im Zug überträgt. Wenn der Zug eine Stelle passiert, erhält er Daten über das nächste Signalbild und die maximal zulässige Geschwindigkeit für den folgenden Streckenabschnitt. Die Bordsicherung berechnet die erforderliche Bremsleistung, um diese Grenzen einzuhalten. Wenn der Fahrer nicht rechtzeitig anfängt, die Geschwindigkeit zu verringern, löst das System eine Zwangsbremsung aus: eine Schnellbremsung oder in manchen Systemen eine Notbremsung, die maximale Verzögerung erzeugt.
Häufige Ausführungsarten und Varianten
British Rail entwickelte eines der frühen Systeme, das Automatic Warning System (AWS), das eine Warnung in der Kabine auslöst und nach einigen Sekunden eine Zwangsbremsung betätigt, wenn der Fahrer ein gelbes Signalbild nicht bestätigt. Europäische Systeme wie das Train Protection and Warning System (TPWS) und das European Rail Traffic Management System (ERTMS) funktionieren ähnlich, unterscheiden sich aber in ihrem Funktionsumfang. ERTMS Stufe 3 verzichtet ganz auf Streckentelesignale und sendet kontinuierliche Geschwindigkeitsprofile direkt an den Zug. Ältere Dampflokomotiven nutzten mechanische Systeme mit Rampen und Auslösevorrichtungen; moderne Systeme verwenden Induktionsschleifen, im Schotter verlegte Sender oder Funkgeber.
Die Folgen einer ATC-Ausfalls sind schwerwiegend. Ein Ausfall von ATC-Komponenten löst häufig eine Schnellbremsung, Geschwindigkeitsbegrenzung oder Streckensperrung aus, da der Zug als nicht mehr sicher für die normale Geschwindigkeit gilt. Fahrer müssen geschult werden, um Zwangsbremsereignisse zu erkennen und zu verstehen, dass sie auf einen Systemfehler oder ein übersehenes Signalbild hinweisen. Das System erfordert regelmäßige Überprüfungen: Die Streckenausrüstung muss zuverlässig Daten übertragen, und die Bordemfänger müssen diese unter allen Witterungsbedingungen fehlerfrei dekodieren.
Die ATC liegt an der Schnittstelle zwischen Signalanlage und Fahrzeugsteuerung. Sie ersetzt die Signalanlage nicht, sondern setzt sie durch. Der Name beschreibt ihre Kernfunktion: Kontrolle, die automatisch ohne Bedienhandlung ausgelöst durch äußere Bedingungen wirkt. Moderne Eisenbahnnetze im schweren Güter- und Personenverkehr betrachten ATC als notwendige Ausrüstung; Güterbahnen und Regionalstrecken ohne ATC fahren mit reduzierten Geschwindigkeiten. Das System hat die Vorbeifahrten an Haltesignalen deutlich verringert, kann aber nicht alle Unfälle verhindern, besonders solche, die durch Schäden am Gleis, Fahrzeugausfälle oder Betriebsfehler verursacht werden, die auftreten, bevor der Zug ein Haltesignal erreicht.