BR
Abkürzung für British Rail, vormals British Railways bis 1965.
BR: die Staatsbahn, die das moderne Großbritannien baute
BR steht für British Rail, die Behörde, die von 1948 bis zu ihrer Auflösung 1997 den Großteil der britischen Eisenbahnen betrieb. Sie wurde durch den Transport Act 1947 als British Railways Executive gegründet und 1965 reorganisiert und in British Rail umbenannt. Fast 50 Jahre lang besaß und betrieb BR das gesamte nationale Eisenbahnnetz, von Lokomotivflotten über Bahnhofsinfrastruktur bis zu Signalsystemen. Ihr Einflussbereich erstreckte sich über England, Schottland, Wales und Nordirland und machte sie zu einer der größten Verkehrsgesellschaften der Welt.
Die Organisation war in regionale Bezirke unterteilt: Scottish Region, North Eastern Region, London Midland Region, Eastern Region, Southern Region und Western Region. Jeder Bezirk unterhielt seine eigene Flotte aus Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven, Rollmaterial und Betriebsanlagen. BR erbte ein bereits hundert Jahre altes Eisenbahnnetz mit wertvollen Infrastrukturen und erheblichen Schulden von den vier großen Eisenbahngesellschaften, die es zusammenfasste: der Great Western Railway, der London and North Eastern Railway, der London Midland and Scottish Railway und der Southern Railway.
Antriebstechnik und Modernisierung
In den frühen Jahrzehnten von BR folgte eine massive Investition in die Modernisierung von Lokomotiven. Die Organisation führte die Diesel-Electric Multiple Unit (DEMU) und Electric Multiple Unit (EMU) für den Personenverkehr ein und phaste die Dampftrakttion schrittweise aus. Bemerkenswerte Lokomotivbaureihen waren die BR Standard Dampflokomotiven (entworfen von Robert Riddles, ab 1951 gebaut), die Deltic Diesellokomotiven für eilige Güter- und Personenzüge und die erfolgreiche Baureihe Class 47 mit Dieselantrieb, die zum Rückgrat des Güterverkehrs wurde. In den 1960er Jahren wurde die Dampftrakttion zurückgefahren; die letzte Dampflokomotive wurde 1968 außer Dienst gestellt.
Der Bestand an Wagen und Güterwagen von BR war ebenso umfangreich. Die Organisation fertigte und betrieb Millionen von Güterwagen, Personenwagen in verschiedenen Bauarten (von älterem Rollmaterial vor der Verstaatlichung bis zu neuen luftgebremsten Fahrzeugen) und spezialisierte Fahrzeuge für Pakete, Post und Viehverkehr. Die Standardisierung von Kupplungen, Bremssystemen und Spurweiten im gesamten Netz war in den frühen BR Jahren ein großer Erfolg.
Industrieunternehmen und Güterverkehrsunternehmen waren auf BRs Netz angewiesen, um Kohle, Stahl, Chemikalien und Schüttgut zu transportieren. Die Organisation betrieb spezialisierte Güterstrecken, unterhielt für verschiedene Güterarten spezialisierte Wagen und verwaltete Rangierbahnhöfe zur Zugbildung. Ab den 1960er Jahren jedoch schwächten Straßenverkehrskonkurrenz, steigende Arbeitskosten und mangelnde Investitionen den Güterverkehr schrittweise ab. Die Privatisierung 1997 zersplitterte das System in Train Operating Companies und ein separates Infrastrukturunternehmen, Network Rail, und beendete damit die einheitliche Staatsbahn, die den britischen Verkehr ein halbes Jahrhundert lang geprägt hatte.