Vortrieb mit Sprengstoff
Englisch: breast down
Verfahren mit aufeinanderfolgenden Bohr- und Sprengvorgängen beim Bau von Tunneln für Bergbau, U-Bahn usw.
Bruststoß: Bohr- und Sprengvortrieb in Festgestein
Bruststoß bedeutet, eine Tunnelrösche voranzutreiben, indem man eine Reihe von Löchern in die vorgelagerte Gesteinsfläche bohrt, sie mit Sprengstoff lädt und nacheinander zündet. Der Begriff beschreibt die Arbeitsrichtung: Die Mannschaft treibt den Tunnel voran, indem sie die vor ihr liegende Gesteinsbrust oder Ortsbrust angreift. Dieses Verfahren war Standard beim Festgesteinstübbau für Bergbaue, U-Bahnen und Wasserkraftanlagen, bevor moderne Tunnelbohrmaschinen sich verbreiteten.
Das Verfahren erfordert präzises Lochabstände und genaue Sprengzeitfolgen. Ein Bohrer oder ein Bohrjumbo setzt Löcher nach einem bestimmten Muster über die Ortsbrust, typischerweise strahlenförmig von einem zentralen Schnitt oder Sprengloch aus, das zuerst gezündet wird, um den Druck abzubauen. Die Randlöcher werden etwas überdimensioniert gebohrt und gering besetzt, um die Wände zu schonen. Die Sprengung lockert das Gestein auf; Ladeeinrichtungen räumen es dann weg, bevor die nächste Bohrung beginnt. Der Vortritt pro Zyklus hängt von Gesteinsart und Locentiefe ab, unter günstigen Bedingungen können es 2 bis 4 Meter pro Sprengung sein.
Es gibt Varianten bei der Anordnung und Zündfolge der Löcher. Ein radiales oder Plünderungsmuster zündet den Schnitt zuerst, dann Ringe von Löchern in rascher Folge. Ein V-förmiger Schnitt verwendet zwei große, schräg gegeneinander angeordnete Löcher. Die Reihenfolge ist entscheidend: schlechte Zündfolgen lassen Gestein hartnäckig stecken oder schleudern es heftig nach außen, was Arbeiter und Bauwerke gefährdet. Lärm, Erschütterungen und Abgasmanagement wurden zu ernsthaften Problemen, als der Stübbau in Städten zunahm, was Betreiber dazu führte, kontrollierte Sprengungen mit Verzögerungszündern vorzuziehen.
Der Begriff ist heute veraltet, weil er die manuellen, sprengintensiven Verfahren des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Tunnelbohrmaschinen und Vortriebsgeräte haben den Bruststoß auf den meisten modernen Projekten ersetzt, besonders in Städten, wo Gebirgskontrolle und Umweltauflagen streng sind. Trotzdem bleibt die Terminologie in älteren Fachhandbüchern und bei Arbeitern, die in konventionellem Stübbau ausgebildet wurden. Das Verfahren wird noch in entlegenen Festgesteinsbergbauen und gelegentlich dort eingesetzt, wo Geologie Bohrmaschinenarbeit unpraktisch macht.
Bruststoß steht an der Schnittstelle zwischen Berg- und Tiefbautechnik. Das Wort Brust leitet sich von der Ortsbrust ab; Stoß bezieht sich auf den Vortritt ins Gebirge, nicht unbedingt auf einen senkrechten Abstieg. Modern wird es manchmal Ortsvortrieb oder Ortsbohrung genannt, doch Bruststoß erfasst die physikalische Realität: Die Mannschaft greift die Gesteinsbrust an und erzwingt mit jedem Sprenggefüge Fortschritt.