Intarsie
Englisch: buhl
Ein besonders dekoratives Stück aus Messing oder anderem Material, das als Einlage in Möbeln oder anderen Objekten verwendet wird.
Buhl: Marketerie mit Metall- und Schildpatteinlagen
Buhl ist eine Dekorationstechnik, bei der Muster aus Blech, Zinn oder anderen Metallen ausgeschnitten und bündig in einen Untergrund aus Schildpatt, Ebenholz oder einem anderen kontrastierenden Material eingesetzt werden. Es wird auch umgekehrt gearbeitet: Metalluntergründe werden mit Schildpatt oder Knochen intarsiert. Die Technik erzeugt eine auffällige optische Wirkung, weil die beiden Materialien kante an Kante aufeinandertreffen, ohne dass ein Spalt entsteht, und die Maserung oder Oberflächenbearbeitung jedes Materials das andere scharf hervortreten lässt.
Das Verfahren erfordert außergewöhnliche Präzision. Der Möbeltischler schneidet das Muster gleichzeitig aus dem Einlagenmaterial und dem Untergrund, häufig indem er Blätter übereinander legt und gemeinsam durchsägt. Dies stellt sicher, dass die Schnittkanten genau passen. Das Einlagenteil wird dann in seine Aussparung eingesetzt, typischerweise mit Knochenleim oder bei späteren Arbeiten mit einer dünnen Schicht Lötmittel oder Klebstoff befestigt. Die Oberfläche wird dann geschabt oder gehobelt und poliert.
Historischer und regionaler Kontext
Die Technik erreichte ihre Blüte im 17. Jahrhundert in Frankreich, wo sie als Marqueterie de Buhl oder Boulle bekannt wurde, benannt nach André-Charles Boulle, dem Hofmöbeltischler von Ludwig XIV. Englische und kontinentaleuropäische Handwerker übernahmen die Technik während des 18. und 19. Jahrhunderts. Das charakteristische Erscheinungsbild, glänzendes Messing vor dunklem Schildpatt, wurde zum Sinnbild hochwertiger Möbel und machte mit Buhl verzierte Stücke zu wertvollen Statussymbolen.
Buhl-Arbeiten erfordern geschickte Handwerker und teure Materialien. Schildpatt wurde besonders knapp und der Handel damit ist in vielen Ländern schließlich verboten worden. Moderne Reproduktionen verwenden Ersatzstoffe wie Zelluloid, Acrylblatt oder gefärbtes Furnier anstelle von Schildpatt, obwohl diese die Tiefe und den Glanz des Originals nicht erreichen. Die Restaurierung echten Buhl verlangt Kenntnisse über historische Klebstoffe, Hitzebeständigkeit beider Materialien und das Risiko von Verformung oder Ablösung, wenn Feuchtigkeit in die Fuge eindringt.
Der Begriff selbst leitet sich von Boulles Namen ab, obwohl die Technik älter ist. Er erscheint in Möbeltischler-Nachschlagewerken sowohl als Buhl (englische Schreibweise) als auch als Boulle (französisch). Heute wird jedes Möbelstück, das diese Intarsienmethode verwendet, ob genuines historisches Werk oder spätere Reproduktion, als Buhl oder Buhl-Arbeit bezeichnet.