Kohleeinfüllanlage
Englisch: coaling plant
Hohe Struktur an einem Lokomotivdepot zum Befüllen von Dampflokomotiven mit Kohle.
Kohlenladeanlage: Turm zum Beladen von Dampflokomotiven mit Kohle
Eine Kohlenladeanlage ist eine stationäre Konstruktion, die an Lokomotivdepots und Rangierbahnhöfen errichtet wird, um Kohle schnell in die Tender von Dampflokomotiven zu laden. Die Anlage besteht typischerweise aus einer hohen Stahlkonstruktion (20 bis 40 Meter hoch), die einen Trichter oben trägt, unter dem eine Schurre oder Auslaufrinne die Kohle in den Tender der Lokomotive lenkt. Die gesamte Konstruktion war auf Geschwindigkeit und Leistung ausgelegt und ermöglichte es einer Lokomotive, in 10 bis 15 Minuten 10 bis 15 Tonnen Kohle zu laden, was notwendig war, wenn Loks auf stark belasteten Strecken häufig hintereinander zum Einsatz kamen.
Das häufigste Konstruktionsprinzip war ein gravitatives System: Kohle wurde aus Wagen oder Lastwagen in den erhöhten Trichter gekippt, von wo sie durch eine vertikale Schurre in einen offenen hölzernen oder stählernen Behälter fiel, der an einem ausgewogenen Arm aufgehängt war. Ein Bediener positionierte diesen Behälter über dem Tender und betätigte einen Auslösehebel, worauf die Kohle hinunter stürzte. Einige Anlagen nutzten ausgefeilere Zahnrad- oder Kettensysteme, um den Behälter mechanisch anzuheben; andere setzten einen fahrbaren Kran ein, der über verschiedene Gleispositionen geschwenkt werden konnte.
Depots im Bereich starker Verkehrsbelastung errichteten umfangreiche Anlagen, die mehrere Lokomotiven gleichzeitig versorgen konnten. Die aufwändigsten Beispiele hatten mehrere Trichter, die von Förderbändern aus Kohlelägern gespeist wurden und es ermöglichten, drei oder vier Loks gleichzeitig zu beladen. Kleinere Nebenstellen nutzten manchmal handgesteuerte Behälter oder Schwerkraftentladesysteme, bei denen Kohle von Bodenebene aus manuell geladen wurde, wobei Geschwindigkeit gegen minimale Kapitalkosten getauscht wurde. Auf Neben- und Sekundärbahnen gab es oft gar keine Anlage, und Loks nahmen Kohle aus Haufen am Boden mit Dampfkränen oder einfachen Derricks auf.
Kohlenladeeinrichtungen begannen in den 1950er Jahren zu verschwinden, als Diesel-Elektro-Lokomotiven Dampflokomotiven auf den Hauptstrecken ablösten. Diesel-Loks führten Heizöl in integrierten Tanks mit und benötigten nicht die schnelle, wiederholte Umschlagung von Kohle in großen Mengen, die Kohlenladeeinrichtungen notwendig machte. Die meisten Anlagen wurden bis in die 1970er Jahre abgebaut oder dem Verfall überlassen. Ein paar Heritage-Bahnen haben funktionierende Beispiele als Teil authentischer Dampflokomotiv-Operationen wieder hergerichtet, und die skelettartigen Reste von Kohlenladeeinrichtungen stehen noch an vielen stillgelegten Depots als Denkmäler der Dampflok-Ära.
Der Name spiegelt ihre einzige Aufgabe wider: Lokomotiven in großem Stil mit Kohle zu versorgen. Der Begriff ist heute historisch; das moderne Fachvokabular der Eisenbahnindustrie kennt ihn nicht, weil die Infrastruktur nicht mehr im aktiven Betrieb vorhanden ist. Für Erhaltungsgesellschaften und Heritage-Bahnen bleibt das Verständnis, wie eine Kohlenladeanlage funktionierte, unverzichtbar für den Betrieb von Dampflokomotiven, wie sie früher instand gehalten wurden.