Koextrusion
Englisch: coextrusion
Gleichzeitiges Extrudieren mehrerer Materialschichten.
Koextrusion: mehrere Materialien gleichzeitig durch eine Düse pressen
Koextrusion drückt zwei oder mehr Materialien gleichzeitig durch eine einzelne Düsenöffnung und verbindet sie beim Austritt zu einer Verbundstruktur. Statt separate extrudierte Folien hinterher zu laminieren, treffen die Materialien bereits innerhalb der Düse aufeinander und verbinden sich unter Druck und Hitze zu einem dauerhaft gebundenen mehrschichtigen Produkt in einem Arbeitsgang. Dies findet im Extruder-Zylinder statt, wo separate Kunststoffströme oder ein Kunststoff mit Verstärkungsmaterial über unterschiedliche Kanäle zugeführt werden, die sich vor der Düse vereinigen.
Die häufigste Ausführung nutzt ein Verteilerblock oder mehrere Schnecken, um die Materialflussraten unabhängig zu steuern und sicherzustellen, dass jede Schicht in der richtigen Mischung und Temperatur in die Düse gelangt. Eine zweilagige Folie könnte eine zähe Außenschicht (Polypropylen) mit einem elastischen Kern (Linear Low-Density-Polyethylen) verbinden, jeweils mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zugeführt, um das gewünschte Dickenverhältnis zu erreichen. Dreilagige und fünflagige Koextrusion ist im Lebensmittelverpackungsbereich Standard, wo Barrierematerialien wie Ethylenvinylalkohol zwischen Strukturschichten sitzen. Schlauchextrusion kann starre Außenwände mit weicheren Innenfutter kombinieren, etwa für medizinische Schläuche oder Industrieschläuche.
Warum statt Kleben oder Laminieren. Die Verbindung ist chemisch und dauerhaft, nicht klebstoffabhängig, sodass sie Wärmebeanspruchung, Feuchtigkeit und Flexen ohne Delamination übersteht. Koextrudierte Folien kühlen und stabilisieren sich sofort, was höhere Laufgeschwindigkeiten als nachträgliche Laminierarbeiten ermöglicht. Das Verfahren spart auch Abfall durch separate Extrusionsdurchläufe und reduziert Handhabungsschritte.
Die wichtigsten Regelgrößen sind Zylinder-Temperatur, Schneckendrehzahl und Schmelzdruck in jedem Kanal. Wenn Zuführungsraten aus dem Gleichgewicht geraten, wird eine Schicht zu dünn oder ungleichmäßig, was Festigkeit oder Barriereeigenschaften beeinträchtigt. Materialkompatibilität ist entscheidend: beide Kunststoffe müssen ähnliche Schmelzbereiche und rheologisches Verhalten haben, um ohne Scherung oder Trennung an der Düse richtig zu verbinden. Recyclingmaterial und Neumaterial können zusammen koextrudiert werden, sofern der Schmelzindex-Unterschied handhabbar ist.
Koextrusion kommt in Folien-, Platten-, Schlauch-, Profil- und Monofilament-Prozessen vor. Extrusionsbeschichtung, bei der eine Schmelzkunststoffschicht direkt auf Papier oder Folie aufgebracht wird, ist eine verwandte, aber einfachere Technik: sie fügt eine Schicht auf ein bestehendes Substrat auf, statt mehrere Zuführungen in einer Düse zu vereinigen. Der Begriff stammt aus den 1950er Jahren und bezieht sich direkt auf die gleichzeitige Extrusion mehrerer Ströme.