Schriftkastenständer
Englisch: composing frame
Ein Ständer zum Halten von Schriftkästen während der Verwendung.
Setzrahmen: der Arbeitsstand des Setzers
Ein Setzrahmen ist ein Holz- oder Metallständer, der Schriftkästen in ergonomischer Arbeitshöhe und Neigung zum manuellen Setzen hält. Der Rahmen trägt üblicherweise zwei oder mehr Kästen gleichzeitig und positioniert sie in einem Winkel von etwa 45 Grad, so dass der Setzer einzelne Schriftstücke ohne übermäßige Armbewegung oder Bücken entnehmen kann. Diese Ausrüstung war vom 18. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts unverzichtbar im Letterpress-Druck, wenn der Type von Hand gesetzt werden musste.
Der Rahmen besteht in der Regel aus einer stabilen Basis, oft mit einer Fußleiste, die eine geneigte Arbeitsfläche oder ein Gestell trägt. Kästen ruhen auf dieser Schrägfläche und werden durch Holz- oder Metallsperren fixiert. Die häufigste Anordnung hatte einen Versalienbehälter (mit Großbuchstaben und Sonderzeichen) oben und einen Gemeinen-Behälter (mit Kleinbuchstaben) darunter, wodurch diese Zeichensätze ihre bis heute gebräuchlichen Namen erhielten. Manche Rahmen fassten vier oder mehr Kästen für Arbeiten mit mehreren Schriften oder Sprachen. Der Neigungswinkel war entscheidend für den Arbeitsablauf, er reduzierte die Belastung und ermöglichte es dem Setzer, Type optisch zu lokalisieren und aus dem Gedächtnis schnell zu greifen.
Setzrahmen gab es in verschiedenen Größen und Materialien je nach Werkstattgröße und Budget. Kleine Druckereien verwendeten einfache Holzrahmen, während große Zeitungs- und Buchdruckereien aufwändige Mehrkastenstände hatten, manche mit integrierten Lagerschubladen darunter. Einige Rahmen besaßen eine Ablagefläche oben für Setzstöcke oder Druckproben. Ab den 1890er Jahren wurden viele Rahmen durch Setzmaschinen wie Linotype und Monotype ergänzt oder ersetzt, was die Notwendigkeit manuell zusammengestellter Kästen ganz überflüssig machte.
Der Begriff lebt in historischen Texten und bei Letterpress-Enthusiasten weiter, die noch heute traditionelles Handsetzen praktizieren, aber die Ausrüstung wurde im gewerblichen Druck ab den 1960er Jahren selten. Heute findet man erhaltene Setzrahmen hauptsächlich in Museen, Privatpressen und historischen Drucksammlungen. Das Verständnis der Rolle des Rahmens macht deutlich, wie eng Schriftgestaltung, Kastenordnung und Setzerausbildung miteinander verflochten waren.