treiben
Englisch: drive
Horizontal graben; einen waagerechten Stollen oder Tunnel vortreiben.
Strecke: Waagerechter Grubenbau durch Gestein oder Kohle
Eine Strecke ist ein waagerechter Grubenbau, der durch Gestein oder Kohleflöze aufgefahren wird, um Zugang zu Mineralvorkommen zu schaffen oder die Abbaufront eines Untertagebaus vorzutreiben. Anders als ein Schacht, der senkrecht abteuft, verläuft eine Strecke ungefähr waagerecht und kann sich über hunderte Meter in das anstehende Gebirge erstrecken. Sie dient zugleich als Hauptader für Verkehr und Bewetterung sowie als Arbeitsbereich, in dem der Abbau stattfindet.
Im Steinkohlenbergbau werden Strecken parallel zum Flöz mit leichtem Gefälle aufgefahren, üblicherweise 1:20 bis 1:30, um die Wasserhaltung zu ermöglichen. Im Hartgesteinsbergbau folgen sie der Lagerstätte oder werden als primäre Aufschlussquerschläge senkrecht dazu aufgefahren. Der Querschnitt beträgt typischerweise 3 bis 4 Meter Höhe und 3 bis 5 Meter Breite, dimensioniert nach der größten Ausrüstung, die hindurchmuss: Lokomotiven, Erzzüge oder Grubenstempel. Die Streckenränder und die Sohle werden ausgebaut und vorläufig gestützt, während die Strecke vorgetrieben wird.
Das Auffahren ist arbeitsintensiv und bestimmt das Tempo der Grubenentwicklung. Ein Schicht kann je nach Gesteinsausbildung, Ausrüstung und Leistung der Mannschaft 5 bis 15 Meter pro Tag vortreiben. Der Prozess umfasst das Bohren eines Lochmuster über die ganze Ortsbrust, das Laden mit Sprengstoff, die Sprengung, das Laden des Gesteins und den Ausbau mit Ankern oder Holz vor dem nächsten Bohrplan. Schlechte Auffahrungsarbeit führt zu Instabilität, die sich nachgelagert bemerkbar macht und Gebirgsschläge sowie Produktionsverzögerungen verursacht.
Arten und Bezeichnungen
Eine Hauptstrecke dient dem primären Transportweg und wird in hohem Standard aufgefahren. Eine Nebenstrecke oder ein Querschlag verbindet Hauptstrecken untereinander oder führt zu bestimmten Erzlagern. Eine Sohlenquerschlag ist ein kleinerer Grubenbau, der in regelmäßigen Abständen auf der Länge einer Abbaukammer aufgefahren wird, um Erz zu laden und den Ausbau einzubauen. Das Verb auffahren wird auch beim Abteufen und Auffahren von Schächten verwendet, obwohl Schächte selbst senkrecht sind. Im Steinkohlenbergbau sprechen Bergleute vom Auffahren von Strecken oder vom Flözauffahren; im Erzbergbau ist die Unterscheidung zwischen Aufschlussauffahrung und Abbau grundlegend für Planung und Kostenverteilung.
Die Gebirgsfestigkeit bestimmt die Schwierigkeit des Auffahrens. Schwaches oder zerbrochenes Gestein, Wasserzutritt und weiche Zwischenmittel erfordern schwereren Ausbau und langsameres Vortreiben. Strecken in stabilem Granit oder Sandstein lassen sich schneller und mit weniger Ausbau auffahren. Eine geologische Kartierung vor der Ortsbrust mittels Erkundungsbohrlöcher und Ortsbetrachtung bestimmt die Ausbauverhältnisse und hilft, unvorhergesehene Begegnungen mit Störungen, Wasser oder Lagerstättengrenzen zu vermeiden, die zu Änderungen der Streckenfestlegung führen würden.