austreiben
Englisch: drive out
Engzusetzen; weniger Platz in Anspruch nehmen, indem dünnere Schrifttypen verwendet oder der Zeilenabstand reduziert oder mehr Zeilen auf jeder Seite angebracht werden.
Laufweite verringern: mehr Text auf der gleichen Fläche unterbringen
Im Letterdruck und Hochdruckverfahren bedeutete Laufweite verringern, den Text auf einer Seite zu verdichten, indem man den Platz pro Buchstabe reduzierte. Ein Setzer erreichte dies durch die Wahl schmalerer Schriftarten, durch Verringerung des Abstands zwischen den Buchstaben (sogenannte Laufweite), durch kleineren Zeilenabstand oder durch schmalere Ränder. Das Ziel war ökonomisch: Mehr Inhalt auf weniger Seiten bedeutete niedrigere Papierkosten und geringere Porto für Drucksachen.
Der Begriff spiegelt die mechanische Realität der Bleisatztechnik wider. Ein Setzer trieb die Buchstaben buchstäblich näher zusammen im Winkelhaken, einem tragbaren Rahmen, in dem einzelne Buchstaben von Hand angeordnet wurden. Wenn Platz auf der Seite kostbar war, verwendete der Setzer Kapitelschriften, die schmalere Buchstabenbreiten hatten als Standard-Antiqua- oder Kursivschriften. Alternativ konnte der Setzer den Zeilenabstand durch Einfügen von dünnen Metallstreifen, sogenannte Ausgleichbleie (ausgesprochen Bledde), zwischen den Schriftzeilen verkleinern.
Laufweite verringern war im Zeitungsgewerbe üblich, wo die Spaltenbreiten fest waren und der redaktionelle Inhalt zwischen Anzeigen passen musste. Es kam auch im Buchdruck vor, wenn ein Verleger die Seitenzahl reduzieren wollte. Allerdings beschädigte übermäßiges Verringern der Laufweite die Lesbarkeit. Enge Buchstabenstände und gedrungene Zeilen ermüdeten Leser; extremes Verdichten konnte Text nahezu unleserlich machen und galt als Zeichen schlechter Satzpraxis.
Der Begriff wurde mit dem Wechsel von Bleisatz zu Fotosatz in den 1960er und 1970er Jahren, dann zu digitaler Typografie, obsolet. Digitale Systeme machten Komprimierung zum Kinderspiel: Ein Designer konnte eine Schrift einfach horizontal skalieren oder Schriftgröße und Zeilenabstand mit einem Parameter anpassen. Das Handwerk und die Überlegung, die einst das mechanische Verringern der Laufweite ausmachten, verschwanden. Heute lebt das Konzept in der Typografie als Komprimieren oder Kondensieren einer Schriftart weiter, aber ohne die körperliche Arbeit und das Geschick, die einst diese Praxis definierten.