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Drucktechnik

Editio princeps

Englisch: editio princeps

Der erste gedruckte Ausdruck eines Werkes, das vorher nur in Manuskriptform veröffentlicht wurde.

editio princeps: das erste Mal, dass ein Manuskript zu einem gedruckten Buch wird

Eine editio princeps ist die ursprüngliche gedruckte Ausgabe eines Textes, der vor Beginn des Drucks nur als Manuskript existierte. In der gewerblichen Drucktechnik markiert sie den Moment, in dem ein Werk aus der Schreibstube in Satz und Druck übergeht. Der Begriff gilt, ob dieser erste Druck 1472 stattfand oder letzte Woche, trägt aber das meiste Gewicht in der historischen Bibliographie, wo er Inkunabeln und frühe Drucke aus dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert beschreibt.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil ein Manuskript und sein gedruckter Abkömmling nicht dasselbe Objekt sind. Ein Setzer, der die editio princeps vorbereitet, muss handgeschriebenes Manuskript entziffern, Abkürzungen und verschiedene Buchstabenformen auflösen, über Groß- und Kleinschreibung sowie Interpunktion entscheiden (oft fehlend oder inkonsistent in Manuskripten) und sich auf eine einzige Lesart einigen, wo sich Schreiberhände widersprechen. In dieser Phase eingeführte Fehler verbreiten sich durch alle nachfolgenden Drucke. Umgekehrt fixiert die editio princeps den Text auf eine Weise, die kein Manuskript könnte; mehrere gedruckte Exemplare sind identisch, während keine zwei handschriftlichen Kopien es je sind.

Warum der Name in Sammlung und Wissenschaft wichtig ist

Sammler und Bibliographen schätzen die editio princeps, weil sie das Werk eines Autors an der Schwelle zwischen mündlicher und Manuskriptkultur einerseits und Massenvervielfältigung andererseits darstellt. Eine Erstausgabe von Dante oder Petrarca im Druck erzielt Preise weit über späteren Auflagen, nicht weil die Tinte feiner ist, sondern weil sie den Moment dokumentiert, in dem die Drucktechnik einen kanonischen Text erfasste. Die editio princeps ist auch die dem endgültigen Manuskripttext des Autors am nächsten liegende gedruckte Version, bevor sich Jahrhunderte redaktioneller Neuinterpretation in späteren Auflagen ansammelten.

Im modernen Druck wird der Begriff außerhalb von akademischen und antiquarischen Kontexten seltener verwendet, aber das Prinzip bleibt darin eingebettet, wie Verlage neue Werke handhaben. Eine gebundene Erstausgabe ist funktional die editio princeps eines zeitgenössischen Buches, auch wenn das Konzept aus einer Zeit stammt, als der Druck selbst revolutionär war. Bibliothekare und Archivatoren verwenden den Begriff immer noch, um die chronologisch und textlich primäre gedruckte Version von Nachdrucken, Faksimiles und abgeleiteten Ausgaben zu unterscheiden.

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