Überdrucken
Englisch: overprint
Verschiedene Farben überlagern, um Lücken zu vermeiden.
Überdruckung: Farbschichten zur Verdeckung von Passerabweichungen
Überdruckung bedeutet, absichtlich eine Druckfarbe direkt über eine andere zu drucken, anstatt einen Spalt zwischen ihnen zu lassen. Sie dient zur Lösung eines realen Problems beim mehrfarbigen Druck: der Passerabweichung. Wenn ein Bogen mehrmals durch die Maschine läuft oder wenn verschiedene Farbwerke hintereinander arbeiten, stimmen die einzelnen Farben selten perfekt überein. Eine dünne weiße Linie oder Spalt kann dort entstehen, wo zwei Farben zusammentreffen sollen. Die Überdruckung füllt diesen Spalt, indem eine Farbe leicht in den für die nächste vorgesehenen Bereich hineinragt.
Das Verfahren funktioniert, indem eine dunklere oder deckkräftigere Farbe auf eine hellere gedruckt wird, oder indem transparente Farben verwendet werden, die sich optisch vermischen statt zu überlagern. Rot über Gelb erzeugt in der Überlappungszone Orange; das Auge nimmt es als durchgehende Farbe wahr statt als Passerabweichung. In der Offsetlithografie wird dies in der Gestaltungsphase gesteuert: Die Vorlage wird so aufgeteilt, dass eine Farbe leicht über ihre Grenze hinausragt in den Bereich der nächsten Farbe. Die Überdruckmenge, typischerweise 0,1 bis 0,2 Millimeter, wird in den Druckangaben festgelegt.
Überdruckung birgt ihre eigenen Gefahren, wenn sie nachlässig angewendet wird. Zu viel Überlappung kann zu sichtbarem Farbumschlag, Verdunkelung oder Verlust feiner Details führen. Die Farbhaftung wird kritisch: Sitzt die falsche Farbe oben, entsteht ein trübes oder unberechenbares Ergebnis. Manche Farbkombinationen haften überhaupt nicht zusammen; eine ölbasierte Farbe etwa über einem wasserbeständigen Lack haftet nicht ordnungsgemäß und kann abblättern. Die Reihenfolge ist entscheidend. Viele Druckereien folgen der Regel, dass hellere Farben zuerst gedruckt werden und dunklere Farben sie überdrucken.
Sonderfarbe und Prozessfarbe bei Überdruckung
Beim Vierfarbdruck (CMYK) ist Überdruckung an Farbgrenzen fast immer notwendig, weil die Passer nie perfekt ist. Bei Sonderfarben müssen Designer und Drucker von Fall zu Fall entscheiden. Ein zweifarbiges Logo auf Normalpapier könnte besser mit präzisem Aussparungsdruck (ohne Überlappung) gelöst werden, wenn die Maschine die Passer im Bereich von 0,05 Millimetern halten kann. Eine Sonderfarbe über einem Prozessfarben-Hintergrund erfordert oft Überdruckung, um einen Lichthof zu vermeiden.
Moderne Designsoftware und RIP-Systeme ermöglichen differenzierte Kontrolle. Ein Designer kann angeben, welche Auszüge welche anderen überdrucken und um wie viel. Das Testen auf einem Farbtrennproof ist Standardpraxis, bevor ein Druckauftrag in Angriff genommen wird. Die Alternative zur Überdruckung ist Trapping, bei dem eine Farbe verkleinert und eine benachbarte vergrößert wird, um eine absichtliche dünne Überlappung nur am Rand zu schaffen; das ist präziser, erfordert aber erfahrenere Vorlagenarbeit und verschwindet allmählich, weil die Passertoleranz enger wird.