Lokschuppen
Englisch: engine shed
Ein Gebäude zur Unterstellung von Eisenbahnnlokomotiven.
Lokschuppen: die Werkstatt der Eisenbahn für Lokomotiven
Ein Lokschuppen ist ein großes, überdachtes Gebäude, in dem Dampflokomotiven und später Diesellokomotiven abgestellt, instandgehalten und gewartet werden, wenn sie gerade nicht im Einsatz sind. Das Bauwerk besteht typischerweise aus einem ein- oder mehrgleisigen Boden mit hohem Dach, um die volle Höhe der Lokomotiven aufzunehmen, normalerweise 4 bis 4,3 Meter oder mehr. Die Wände sind oft offen oder halboffene Konstruktionen, damit Lokomotiven ohne aufwendige Drehscheiben in jedem Stellplatz direkt hinein- und herausfahren können.
Das typische Layout stellt mehrere Lokomotiven nebeneinander auf parallelen Gleisen auf, mit einem zentralen Inspektionsgraben oder einer Inspektionsrinne unter den Gleisen, damit Arbeiter die Unterseite erreichen können. Reparaturwerkstätten, Werkzeugräume und Wasserspeichertanks sind fester Bestandteil des Komplexes. Kohlentürme oder Aschekübel waren häufige Zusatzanlagen bei Schuppen für Dampflokomotiven und wurden so angeordnet, dass ein rascher Schichtwechsel möglich war. Das Gebäude selbst muss Vibrationen und gelegentliche kleinere Stöße durch Rangierarbeiten aushalten.
Die Arbeiten im Lokschuppen
Lokschuppen führten Routinewartungen durch: Wasser in Kesseln auffüllen, Aschekästen leeren, Bremssysteme prüfen und verschlissene Teile wie Bremsbeläge und Ventilringe austauschen. Größere Überholungen mit kompletter Zerlegung fanden in speziellen Lokomotivwerken statt, nicht im Schuppen, aber der Schuppen war der Ort für tägliche Überprüfungen der Einsatzfähigkeit. Lokomotivführer bereiteten auch die Maschinen für ihren nächsten Einsatz vor, ein Vorgang, der bei Dampflokomotiven Dampf aufmachen genannt wurde. Ein erfahrener Lokführer oder Schuppenmeister koordinierte die Arbeiten und führte Aufzeichnungen über den Zustand jeder Lokomotive.
Der Begriff Lokschuppen wurde ungebräuchlich, als Dampflokomotiven in den meisten Ländern bis in die 1960er und 1970er Jahre ausmustert wurden. Diesel- und Elektrolokomotiven erforderten andere Wartungsverfahren und wurden oft in speziell gebauten Depots mit Inspektionsgruben, Hebeeinrichtungen und Klimaanlage untergebracht. Moderne Eisenbahnanlagen verwenden den Begriff Depot oder Abstelloanlage, wobei Eisenbahn-Enthusiasten und Museumsbahnen weiterhin Lokschuppen für Komplexe mit historischen Dampflokomotiven verwenden.
Jedes regionale Eisenbahnnetz betrieb eigene Lokschuppen, was eine Hierarchie schuf: kleine Schuppen kümmerten sich um grundlegende Wartung und nächtliche Abstellung, während große Hauptlinienschuppen an wichtigen Knotenpunkten komplexere Reparaturen durchführten. Der Schuppen war ein eigenständiger sozialer Raum innerhalb des Eisenbahnunternehmens mit seiner eigenen Arbeiterhierarchie und einer eigenen Kultur des praktischen Wissens, das von erfahrenen Männern an Lehrlinge weitergegeben wurde. Das Gebäude selbst war oft eines der größten Bauwerke in einer kleinen Eisenbahnstadt.