Hudson
Eine Dampflokomotive mit der Achsfolge 4-6-4.
Hudson: schnelle Personenzuglokomotive, Achsfolge 4-6-4
Eine Hudson ist eine Dampflokomotive mit der Achsfolge 4-6-4, das heißt vier Laufradsätze auf einem Drehgestell vorne, sechs Triebachsen und vier Laufradsätze unter einem großen Feuerraum. Diese Anordnung entstand in den 1920er Jahren, um höhere Geschwindigkeiten auf Personenstrecken zu ermöglichen, ohne dabei Kesselkapazität oder Zugkraft zu opfern. Die Bauart ist nach dem Hudson River benannt, den die New York Central Railroad bediente und auf der sie die berühmtesten Hudson-Lokomotiven unter den Stromlinien-Zügen 20th Century Limited und Commodore Vanderbilt einsetzten.
Der Hauptvorteil der 4-6-4 gegenüber der älteren 4-6-2 Pacific war der größere Feuerraum. Indem man den Feuerraum hinter die sechs Triebachsen versetzte, statt ihn zwischen ihnen anzuordnen, konnten die Hersteller die Dampferzeugungskapazität deutlich erhöhen. Das ermöglichte längere Streckenabschnitte mit Volllast, ohne dass der Feuerraum zum Engpass wurde. Das hintere Drehgestell trug das Mehrgewicht des vergrößerten Feuerraums, während das vordere Drehgestell die Lokomotive bei hohen Geschwindigkeiten durch Kurven und Weichen sicher führte.
Hudsons fuhren typischerweise mit Geschwindigkeiten zwischen 80 und 120 Stundenkilometern auf guten Strecken. Kohle- und Wasserverbrauch stiegen steil über 100 km/h an, daher wurden die meisten mit wirtschaftlichen Reisegeschwindigkeiten von etwa 80 bis 90 km/h betrieben. Der Kesseldruck in Hudsons lag je nach Hersteller und Bahngesellschaft zwischen 200 und 250 psi. Das Gesamtgewicht erreichte oft annähernd 400.000 Pfund und erforderte gut unterhaltene Gleise sowie ausreichende Wasser- und Kohleversorgungsanlagen.
Varianten und Betreiber
Die New York Central baute oder beschaffte etwa 275 Hudsons, mehr als jede andere Bahngesellschaft. Weitere Bahnen, die sie betrieben, waren die Rock Island Line, die Delaware, Lackawanna and Western und die Boston and Albany. Einige Hudsons verfügten über Speisewasservorwärmer, thermische Siphons oder Rollenlager zur Steigerung der Effizienz, während andere einfacher ausgeführt waren. Die letzten Exemplare fuhren bis in die frühen 1950er Jahre, und einige erhaltene Stücke erzeugen immer noch Dampf für Nostalgiefahrten.
Hudsons machten sich einen Namen im Fernpersonenverkehr, wo anhaltend hohe Geschwindigkeit wichtiger war als maximale Beschleunigung. Die Achsfolge 4-6-4 fand weit weniger Verwendung auf Güterstrecken oder in Berggelände, wo der kleinere Feuerraum und die geringere Anzahl von Triebachsen im Vergleich zu einer Challenger oder Big Boy sie ungeeignet machten. Die Bauart verkörpert die Vollendung des Lokomotivenbaus für eine spezifische Aufgabe: schwere mehrachsige Züge über relativ ebenes Gelände mit Geschwindigkeiten zu befördern, die die Eisenbahn gegenüber den aufkommenden Automobilnetzen wettbewerbsfähig machten.