Bahntrasse
Englisch: rail trail
Eine stillgelegte Eisenbahnstrecke, die zu einem Mehrzweckweg umgebaut wurde, üblicherweise als Grünflächenweg zum Wandern und Radfahren
Rail Trail: Umgenutzter Eisenbahnkorridor als öffentlicher Weg
Ein Rail Trail ist ein Fuß- und Radfahrweg auf dem Gelände einer aufgegebenen Bahnstrecke. Die Route folgt dem ursprünglichen Bahnkorridor und nutzt dessen sanfte Steigungen, gesicherte Trassen und oft auch Brücken und Dämme. Die physische Infrastruktur der alten Bahn, insbesondere das Schotterbett und die Unterlage, bleibt in der Regel erhalten und wird für Fuß- und Radverkehr umgenutzt.
Rail Trails unterscheiden sich in ihrer Oberfläche. Die meisten werden mit Asphalt oder verdichteter Schottermischung befestigt, um eine feste Grundlage für Rollstühle und leichte Fahrräder zu schaffen. Einige behalten das ursprüngliche Schotterbett oder legen es frei, was zu einer härteren, aber rauheren Fahrbahn führt. Schienen und Schwellen werden entfernt; das Stahl wird als Schrott verkauft, die Holzschwellen werden entsorgt oder anderweitig weiterverwendet. Der geräumte Korridor, üblicherweise 10 bis 20 Meter breit je nach ursprünglichem Bahnstandard, wird zum öffentlichen Weg.
Warum diese Umnutzung mechanisch funktioniert: Historische Eisenbahnen waren mit sanften Steigungen ausgelegt, um die Physik von Lokomotiven zu bewältigen. Eine typische Hauptstrecke hat ein Durchschnittsgefälle von 1 bis 2 Prozent. Diese Geometrie ist auch für Fußgänger und Radfahrer geeignet. Brücken und Durchlässe, gebaut um beladene Züge von 100 bis 150 Tonnen zu tragen, sind für Fußgängerverkehr massiv übergebaut und brauchen nur minimale Verstärkungen. Die Trasse ist bereits rechtlich gesichert, was Erwerbsdispute vermeidet, die neue Wegeprojekte erschweren.
Rail Trails entstehen in zwei wesentlichen Kontexten. In entwickelten Volkswirtschaften folgen sie aus dem Rückbau von Nebenbahnen und Landesbahnen, die seit den 1960er Jahren wirtschaftlich obsolet wurden. In Regionen mit ausgedehnten historischen Eisenbahnnetzen adressiert die Umnutzung sowohl Denkmalpflege als auch Anforderungen des aktiven Verkehrs. Kommunale Behörden, gemeinnützige Stiftungen oder Eisenbahnerhaltungsvereine leiten die Umnutzung üblicherweise ein und arbeiten mit Verkehrsbehörden zusammen, um den Status als öffentlicher Weg zu sichern.
Der Begriff etablierte sich in Nordamerika in den 1980er Jahren und ist heute internationale Fachsprache. Ein Rail Trail unterscheidet sich von einem Greenway, das ist ein neuer Weg auf keiner historischen Trasse, und von einem Rail-to-Trails-Konzept, das den breiteren politischen Rahmen für die Umwandlung aufgegebener Strecken beschreibt. Der Ausdruck erscheint in Planungsdokumenten, Förderanträgen und Denkmalakten in der englischsprachigen Eisenbahnwelt.