Muley-Achse
Englisch: Muley axle
Eine Fahrzeugachse ohne Bunde an den äußeren Enden der Zapfen.
Muley-Achse: eine Lagerzapfen ohne Schulterstücke zum Halten von Rädern
Eine Muley-Achse ist eine Eisenbahnwagensachse, bei der die Lagerzapfen (die zylindrischen Lagerflächen) keine angegossenen Bunde oder Schulterstücke haben. Bei einer Standardachse werden Bunde als erhöhte Ringe an den äußeren Enden jedes Lagerzapfens bearbeitet; diese Bunde dienen als mechanische Anschläge, die verhindern, dass die Radgruppen nach innen zum Wagenkörper rutschen. Eine Muley-Achse verzichtet vollständig auf diese Bunde und setzt stattdessen auf äußere Keile oder Federn zur Positionierung der Räder.
Das Muley-Design entstand im 19. Jahrhundert im Eisenbahnbau als Sparmaßnahme. Der Wegfall der Bunddrehoperation reduzierte die Fertigungszeit und den Ausschuss. Frühe Güterwagen, besonders vierrädrige Drehgestelle, waren oft mit Muley-Achsen ausgestattet. Die Räder wurden mit konischen Keilen oder Unterlegscheiben festgehalten, die in Schlitze zwischen der Radnabe und der Achsschulter getrieben wurden, ein Verfahren, das bei den Geschwindigkeiten und Lasten jener Zeit ausreichend funktionierte.
Eine Muley-Achse ist im Bereich der Lagerzapfenschulter schwächer als eine Achse mit Bund, da dort Spannungskonzentration auftritt. Das fehlende Schulterstück bedeutet, dass der Durchmesser von dem reduzierten Lagerzapfen zur Radlagerfläche abrupter übergeht und so eine schärfere Spannungsspitze entsteht. Diese Schwachstelle wird bei dynamischer Belastung bedeutsam, besonders bei schwereren Wagen oder höheren Geschwindigkeiten.
Warum Muley-Achsen aus der Mode kamen
Im frühen 20. Jahrhundert wandte sich die Eisenbahnindustrie entschieden den Achsen mit Bund zu. Schwerere Wagen, schnellere Züge und anspruchsvollere Betriebsbedingungen offenbarten das Haltbarkeitsproblem. Das Keilsicherungssystem erwies sich als unzuverlässig; Keile konnten sich lockern oder verschieben und Räder zum Wandern nach innen bringen. Moderne Güterwagen und Personenwagenbestand nutzen fest geschmiedete Bunde als Bestandteil der Achse, die sowohl mechanische Festigkeit als auch sichere Radfestlegung ohne Wartungssorgen bieten.
Heute findet man Muley-Achsen hauptsächlich an Museumsbahn-Ausrüstungen, industriellen Rangierfahrzeugen und sehr leichten Schmalspurbahnen, wo die Lasten minimal und Geschwindigkeiten gering bleiben. Bei der Wagenkontrolle oder Instandhaltung deutet eine Muley-Achse auf erheblich älteres Material hin und erfordert genaue Überprüfung der Keilsicherung und des Lagerzapfenverschleißes, da die ursprüngliche Hardware im Laufe von Jahrzehnten korrodiert oder verrutscht sein kann.