drehkrank
Englisch: giddy
Von einem Tier, besonders einem Schaf: befallen von der Drehkrankheit, einer durch Bandwurmlarven verursachten Parasiteninfektion des Gehirns, die zu ziellosem Drehen des Tieres führt.
Drehkrankheit: ein Schaf, das sich wegen Bandwurmlarven im Gehirn im Kreis dreht
Die Drehkrankheit ist eine Parasitose bei Wiederkäuern, besonders bei Schafen, verursacht durch die Larvenform des Bandwurms Taenia multiceps. Befallene Tiere werden drehsüchtig: Sie laufen im engen Kreis, taumeln, verlieren die Koordination und wirken desorientiert oder gestresst. Die Krankheit entsteht durch Finnen (flüssigkeitsgefüllte Zysten mit Bandwurmlarven), die sich im Gehirngewebe bilden und durch Druckausübung die normale neurologische Funktion stören.
Der Infektionszyklus beginnt, wenn Schafe auf Weiden grasen, die mit Bandwurmeiern kontaminiert sind, welche infizierte Hunde oder andere Hundeartige ausscheiden. Die Eier schlüpfen zu Larven, die durch den Schafskörper wandern und sich im Zentralnervensystem festsetzen. Die Entwicklung der Zysten dauert Wochen bis Monate, weshalb ein befallenes Tier in der frühen Infektionsphase keine Symptome zeigt und dann plötzlich akute neurologische Ausfallerscheinungen entwickelt.
Erkennung und praktische Bedeutung
Ein drehsüchtiges Schaf ist sofort erkennbar: Es führt unwillkürliche Drehbewegungen durch, oft wiederholt in eine Richtung, und kann gegen Hindernisse fallen oder sich verletzen. Das Drehen ist kein bewusstes Verhalten, sondern eine Zwangsreaktion auf den physischen Druck im Gehirn. Befallene Tiere werden unrentabel, verlieren an Gewicht und können nicht in einer Handelsschafherde gehalten werden. Eine Behandlung ist, sobald die Zysten etabliert sind, zuverlässig nicht möglich; die meisten befallenen Schafe werden notgeschlachtet, um eine Ausbreitung in der Herde zu verhindern und das Infektionsreservoir zu reduzieren.
Der Begriff ist in der britischen und irischen Agrarsprache noch dialektal verankert, obwohl die Krankheit selbst weltweit anerkannt ist. Die Vorbeugung konzentriert sich auf die Bekämpfung des Endwirts (Hunde) durch Entwurmung und Verhinderung des Zugangs zu infiziertem Aas oder Fleischabfällen, kombiniert mit Wechselweidewirtschaft, um die Weidenkontamination zu reduzieren. Die Krankheit ist in intensiven Schafhaltungssystemen seltener geworden, bleibt aber in Weidehaltungs- und Gemischtkulturbetrieben bestehen, wo die Hundekontrolle weniger streng ist.