Great Primer
Englisch: great primer
Schriftgröße zwischen English und Paragon, standardisiert auf 18 Punkt, verwendet beim Druck großformatiger englischer Bibeln.
Great Primer: 18pt Schrift für biblische Größe
Great Primer ist eine auf 18 Punkt standardisierte Schriftgröße, die seit dem 16. Jahrhundert als Metallschrift zum Druck großformatiger englischer Bibeln und religiöser Texte etabliert ist. Im traditionellen typografischen Messsystem des englischen Drucks nahm sie einen festen Platz in der Hierarchie der Schriftgrößen ein, zwischen English (14 Punkt) und Paragon (20 Punkt). Die Metalllettern aus Bleilegierung waren groß genug, dass Setzer ganze Seiten mit guter Lesbarkeit drucken konnten, ohne dabei Papier zu verschwenden, besonders bei Folioband und Quartformat.
Der Name stammt von ihrer Verwendung in Primern, das waren elementare religiöse Unterrichtsbücher, die in England und seinen Kolonien weit verbreitet waren. Diese kleine Bücher brauchten eine Größe, die größer als Fleißtext, aber kleiner als Display-Schriften war. Great Primer unterschied sich von der kleineren Primer-Größe (10 Punkt), die ähnliche Unterrichtszwecke erfüllte. Die Begriffe zeigen die typografische Hierarchie, wie sie sich in englischen Schriftgießereien entwickelt hatte, wo Größen benannt statt direkt nummeriert wurden.
Praktische Merkmale und Einschränkungen
Als Druckmetall gegossen, üblicherweise aus einer Legierung von Blei, Zinn und Antimon, waren Great-Primer-Lettern robust genug für wiederholte Druckläufe, erforderten aber sorgfältige Verwaltung. Die 18-Punkt-Angabe bezieht sich auf die Körpergröße, den vertikalen Abstand von der Spitze der Großbuchstaben bis zur Unterlänge der Kleinbuchstaben, was bedeutete, dass das tatsächliche gedruckte Zeichen etwas kleiner war. Drucker bewahrten Great Primer in eigenen Kästen auf und verwendeten sie vor allem für Titelseiten, Kapitelüberschriften und die Anfangsseiten wichtiger Werke statt für längere Textsätze, da das Setzen großer Bücher komplett in dieser Größe arbeitsintensiv und materialaufwändig war.
Die Größe erwies sich als besonders geeignet für große Bibeln, weil sie lesbaren Text in zwei oder dreispaltigen Formaten ermöglichte, ohne die Seitenzahl übermäßig zu erhöhen. Eine Foliobibel in Great Primer konnte 300 bis 500 Seiten umfassen; dasselbe Werk in kleinerer Schrift konnte auf 200 Seiten komprimiert werden, risierte aber Augenbelastung für Leser der damaligen Zeit. Die Kosten für das schwerere Blei und die längere Gusszeit für größere Lettern bedeuteten, dass Great Primer reserviert blieb für prestige Werke, bei denen der Aufwand durch den kommerziellen oder religiösen Wert der Publikation gerechtfertigt war.
Mit der Umstellung auf das Punkte-System im 19. Jahrhundert und später auf Fotosatz und digitale Schriftsetzung wurde Great Primer eher ein historischer als ein praktischer Begriff. Moderne Typografen können auf den Begriff in Studien zur historischen Druckkunst treffen oder beim Arbeiten mit Altmetall-Schriftsammlungen, aber zeitgenössische 18-Punkt-Schriften werden üblicherweise direkt nach Punkt größe angegeben statt nach dem historischen Namen. Der Begriff bleibt vor allem in Diskussionen über Inkunabeln und Frühdruck sichtbar, wo Great-Primer-Bibeln bedeutende Artefakte der englischen Druckkultur darstellen.