Linolschnitt
Englisch: linocut
Ein Hochdruckverfahren, bei dem ein Linoleumblock als Druckform verwendet wird; die in den Block geschnittene Grafik.
Linolschnitt: gravierter Linoleumblock für druckscharfe und dauerhafte Schnitte
Ein Linolschnitt ist eine Hochdruckform aus einer Linoleumplatte, üblicherweise auf einer Holzleiste aufgeklebt. Der Drucker trägt die druckfreien Bereiche ab und lässt das Motiv erhaben stehen. Beim Einfärben und Abdrucken auf Papier überträgt die erhabene Fläche das Bild. Im Gegensatz zum Holzschnitt bietet Linoleum eine gleichmäßige, strukturlose Oberfläche, so dass sich feine Details schneiden lassen, ohne dass das Material längs der Maserung reißt.
Linoleumblöcke bestehen aus einer Schicht aus erstarrtem Leinöl, gemischt mit Korkstaub und anderen Bindemitteln, geklebt auf Sperrholz oder Hartfaser. Standardstärken liegen zwischen 3 mm und 6 mm. Das Material ist deutlich weicher als Holz, daher leisten Schneidewerkzeuge weniger Widerstand und erfordern weniger Kraft. Das macht Linolschnitt sowohl für die industrielle Fertigung als auch für Handarbeit zugänglicher und erklärt die Verwendung in der pädagogischen Druckkunst: Mit einfachen Sticheln und Messern lassen sich saubere Schnitte ohne aufwendiges Werkzeugschleifen erzielen.
Das Schneideverfahren folgt dem gleichen Hochdruckprinzip wie der Holzschnitt, aber die Gleichmäßigkeit des Linoleums fällt die variable Schwierigkeit weg, um die Maserungsrichtung herumzuarbeiten. Ein einzelner Block kann tausende Abdrücke liefern, bevor Verschleiß sichtbar wird, besonders wenn die Linienführung nicht zu fein ist. Das Motiv bleibt erhaben; die abgetragenen Flächen liegen tiefer und werden nicht eingefärbt, so dass sie im fertigen Druck weiß erscheinen.
Fertigung und industrielle Anwendung
In der gewerblichen Produktion wurden Linoleumblöcke historisch für Textildruck, Tapetenmuster und Dekorverpackungen eingesetzt, bevor fotochemische und digitale Verfahren diese Aufgaben übernahmen. Die Haltbarkeit der Blöcke und die Schärfe der Linien machten sie für lange Auflagen praktisch. Heute ist Linolschnitt noch im schulischen Unterricht verbreitet und in der künstlerischen Kleinserienproduktion, wo Kontrolle und Flexibilität wichtiger sind als Produktionsgeschwindigkeit.
Die Hauptbeschränkung ist die Schnitttiefe: Das weichere Material kann bei aggressivem Unterstechen reißen oder bröckeln, besonders bei schmalen Kanälen oder feinen Linien. Außerdem wird Linoleum in der Kälte spröde und kann sich in der Hitze verformen, daher sind Lagerbedingungen für die Haltbarkeit wichtig. Die Schnittabfälle müssen sauber entfernt werden, damit sich keine Farbe in Vertiefungen absetzt und im Druck als unerwünschte Flecken erscheint.