Übersatz
Englisch: overset
Satz oder Material im Übermaß für einen vorgegebenen Raum setzen.
Overset: Satz, der nicht auf die Seite passt
Im Buchdruck und in der Heißmetall-Satzherstellung entsteht Overset, wenn ein Setzer mehr Satz in die verfügbare Fläche bringt als Platz ist. Der überschüssige Satz muss irgendwohin: Entweder wird er herausgenommen und zurück in die Schriftkästen verteilt, oder er landet als Ausschuss in der Galerie oder auf dem Stein. Das ist grundsätzlich ein Problem der Kalkulation und Planung, passiert aber ständig, weil der Text geschätzt wird, nicht gezählt, und die Layouts oft erst finalisiert werden, wenn der Satz bereits gegossen und gesperrt ist.
Die praktische Folge sind Materialverlust und Arbeitszeit. Handgesetzter Satz ist teuer; Overset-Satz bedeutet Geld in Metall, das nicht verwendet werden kann. Ein Setzer, der Overset setzt, muss ihn auseinandernehmen, jedes Zeichen zurück in sein Kastenfach sortieren und entweder die Arbeit neu setzen oder weitergeben. Bei Monotype- und Linotype-Maschinen zeigt sich Overset als fertige Zeilen oder Matrizen, die nicht auf den Seiten-Probeabzug passen, und zwingt den Redakteur und Setzer, den Text zu kürzen, die Schriftgröße zu verringern oder ganze Abschnitte umzubrechen.
Die Ursache liegt in der Lücke zwischen Kalkulation und Wirklichkeit. Ein Redakteur zählt Wörter; ein Setzer zählt Zeilen und misst Flächen in Zentimetern oder Zoll. Unterschiedliche Schriftarten, Zeilenabstände, Randbreiten und Längen der gesperrten Zeilen ändern, wie viel Text in einen gegebenen Raum passt. Vor dem digitalen Satz, der sofortiges Umbrechen ermöglichte, geschah diese Rechnung nach Auge und Erfahrung. Fehler wurden erst entdeckt, wenn der Satz in die Galerie kam und die Seite zu Bruch ging.
Overset ist auch ein Zeichen straffer Zeitpläne. Wenn eine Zeitung oder eine Druckerei unter Druck arbeitet, setzt der Setzer möglicherweise Satz, während der Text noch ankommt, in der Hoffnung, dass die letzten Absätze passen. Wenn nicht, verliert die Zeitung ihren Vorteil: Zeit. Das Ergebnis sind gekürzte Texte, eilige Umarbeitungen oder in seltenen Fällen Seiten, die zu kurz ausfallen und Füllmaterial brauchen.
Im modernen Offset- und digitalen Druck ist der Begriff weitgehend verschwunden, weil Text automatisch fließt und Überläufe sofort auf dem Bildschirm sichtbar sind. Aber das Problem bleibt konzeptionell erhalten: Text, der den zugewiesenen Platz übersteigt. Der alte Reflex des Druckers lebt aber in der Seitenlayout-Software weiter: Die meisten Programme markieren Übertext optisch und bewahren so die alte Warnung, dass etwas nicht passt.