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Drucktechnik

Hausschrift

Englisch: homeset

Die von einem bestimmten Verlag als Standard verwendete Schriftart.

Homeset: die Standard-Schriftartenbibliothek eines Verlags

Ein Homeset ist die Sammlung von Schriftarten, Schriftgrößen und Varianten, die ein bestimmtes Verlagshaus oder eine Druckerei als Standard oder Hausschrift unterhält. Anstatt für jeden Auftrag neue Schrift zu beschaffen, griff der Drucker auf sein Homeset zurück, das eine Serifenschrift für Fließtext, eine serifenlose Schrift für Überschriften und möglicherweise eine Spezialschrift für Titelzeile oder Displayarbeiten enthalten konnte. Diese Sammlung war besonders bei Bleisatz und Heißmetallsatz wichtig, wo die physischen Kosten für neue Matrizen oder den Guss neuer Schrift die Standardisierung wirtschaftlich machten.

Das Homeset spiegelte typischerweise sowohl praktische Zwänge als auch redaktionelle Identität wider. Eine Zeitung konnte mehrere Stärken einer einzelnen Schriftfamilie unterhalten, um Bestände zu sparen und gleichzeitig visuelle Konsistenz über Ausgaben hinweg zu wahren. Das Homeset eines Buchverlags setzte stark auf bewährte, lesbare Serifenschriften, oft dieselbe Familie in 9, 10, 11 und 12 Punkt für Fließtext, plus Displaygrößen bis 48 oder 72 Punkt für Kapitelöffnungen. Die spezifische Kombination unterschied den Output eines Hauses von anderen und wurde Teil seiner visuellen Marke.

Warum Standardisierung wichtig war

Vor dem digitalen Schriftsatz war die Beschaffung von Schrift kapitalintensiv. Eine Gießerei konnte für eine neue Schriftart in jeder für die Produktion erforderlichen Größe hohe Gebühren verlangen. Durch die Aufrechterhaltung eines engen Homesets konnte eine Druckerei die meisten Routinearbeiten ausführen, ohne zusätzliche Schrift zu kaufen. Neue Anschaffungen blieb besonderen Projekten oder Auftragsarbeiten vorbehalten, die eine bestimmte Schrift ausdrücklich erforderten. Standardisierung beschleunigte auch den Arbeitsablauf: Schriftsetzer wurden mit denselben Schriften vertraut und konnten schneller arbeiten.

Das Homeset verlor mit dem Fotosatz und später dem digitalen Schriftsatz an praktischer Bedeutung, wo die Schriftbeschaffung nahezu kostenfrei wurde. Das Konzept lebt jedoch in Designsystemen und Brand Guidelines weiter, wo Homeset-Denken immer noch bestimmt, welche Schriftarten ein Verlag über Print- und digitale Medien hinweg verwendet. Das Verständnis von Homeset-Praxis erklärt, warum bestimmte Publikationen über Jahrzehnte hinweg so konsistente visuelle Identitäten bewahrten und warum der Wechsel der Hausschrift als bedeutsame redaktionelle Entscheidung galt.

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