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Bahntechnik

Jakobs-Drehgestell

Englisch: Jacobs bogie

Ein Drehgestell-Design für gelenkte Personenzüge und Straßenbahnen, bei dem die Enden zweier Wagen auf dem gleichen Drehgestell montiert sind.

Jacobs-Drehgestell: gemeinsames Laufwerk zwischen Zugwagen

Ein Jacobs-Drehgestell ist ein einzelnes vier- oder sechsrädriges Laufwerk, das unter der Verbindungsstelle zwischen zwei benachbarten Personenwagen in einem Gelenkzug angeordnet ist. Statt dass jeder Wagen sein eigenes Drehgestell-Paar hat, ruhen das hintere Ende des einen Wagens und das vordere Ende des nächsten Wagens beide auf demselben Drehgestell-Rahmen. Diese Anordnung spart Gewicht, reduziert die ungefederte Masse und senkt die Fußbodenhöhe des Zuges, was das Einsteigen erleichtert.

Das Design findet sich am häufigsten in europäischen Gelenkstraßenbahnen und elektrischen Triebzügen (EMU). Das Drehgestell selbst ist mechanisch identisch mit einem Standard-Laufwerk: Es trägt zwei Achsen, Federungskomponenten und Bremsanlagen. Was sich unterscheidet, ist seine Position und die Tatsache, dass es zwei Wagenkästen statt einen stützen muss. Die Anschluss-Punkte sind typischerweise schwenkbar gelagert und erlauben jedem Wagenkasten eine leichte unabhängige Bewegung, während das Drehgestell selbst ortsfest bleibt.

Gewichts- und Fußbodenhöhen-Vorteile

Durch den Wegfall eines kompletten Drehgestells pro Gelenkstelle spart ein dreiteiliger Zug ein vollständiges Laufwerk-System ein: ungefähr 4.000 bis 6.000 kg je nach Ausführung. Diese Gewichtsersparnis senkt die Zugkraftanforderungen und verbessert Beschleunigung und Bremsverhalten. Die Fußbodenhöhe kann an der Gelenkstelle niedriger ausgeführt werden, da dort kein Drehgestell sitzt; moderne Niederflurstrahßenbahnen nutzen diesen Vorteil, um die Bahnsteighöhe an diesen Stellen auf 350 mm oder darunter zu senken.

Der Nachteil liegt in der Wartungskomplexität und dem Fahrtkomfort. Ein Drehgestell-Ausfall an der Gelenkstelle betrifft beide Fahrzeuge gleichzeitig und kann zwei Wagen außer Betrieb nehmen. Der Fahrtkomfort an der Gelenkstelle kann leiden, wenn Schwenklager verschleißen und eine spürbare Unebenheit erzeugen, die Fahrgäste fühlen. Das Drehgestell selbst muss ausgelegt sein, um Seitenkräfte von beiden Wagen beim Durchfahren enger Kurven zu bewältigen.

Der Begriff geht zurück auf Valérien Jacobs, einen französischen Eisenbahn-Ingenieur, dessen Patent für diese Anordnung in den 1930er Jahren angemeldet wurde. Das Design wurde zum Standard in der Nachkriegs-Straßenbahntechnik und später auch für Gelenkzüge im Personenverkehr übernommen. Moderne Ausführungen nutzen entweder zwei oder drei Achsen; die dreiachs-Variante verteilt Lasten gleichmäßiger und wird für schwerer belastete Anwendungen bevorzugt, erhöht aber die ungefederte Masse.

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