kreuzen
Englisch: ply
Ein Segelschiff so zu manövrieren, dass die Windrichtung von einer Seite des Schiffs zur anderen wechselt; gegen den Wind arbeiten, gegen den Wind segeln, lavieren.
Kreuzen: Segelschiff gegen den Wind durch wiederholtes Wenden voranbringen
Kreuzen bedeutet, ein Segelschiff zu einem windaufwärts gelegenen Ziel zu steuern, indem man den Kurs wiederholt ändert, sodass der Wind von einer Seite des Schiffsrumpfs zur anderen wechselt. Da ein Segelschiff nicht direkt gegen den Wind ansteuern kann, muss der Steuermann eine Reihe von Wendemanövern ausführen, von denen jedes das Schiff dem windzugewandten Ziel näher bringt. Ein Schiff, das gegen einen starken Gegenwind kämpft, braucht möglicherweise Stunden, um eine Seemeile zu bewältigen, wobei es im Zickzackmuster über das Wasser fährt, das durch die Rumpfform und die Takelungseffizienz des Schiffes bestimmt wird.
Das Manöver erfordert ständige Aufmerksamkeit. Der Steuermann beobachtet die Vorkante der Segel und den Ansteuerungswinkel und gibt das Kommando zum Wenden ab. Die Besatzung holt die Rahen und setzt die Vorsegel neu, während das Schiff durch das Windauge schwenkt. Bei einem gut getrimten Schiff mit einer aufmerksamen Besatzung dauert der Übergang von einer Wende zur nächsten etwa dreißig Sekunden. Ein schlecht koordiniertes Manöver kostet Distanz und Zeit.
Der Begriff stammt aus einem Missverständnis der Seemannspraxis. Frühe Seefahrer sagten, ein Schiff kreuze eine Route, wenn es zwischen zwei Häfen hin und her arbeitete, wie Postschiffe auf regelmäßigen Linien. Das Wort wurde speziell an die windaufwärts gerichtete Bewegung gebunden, weil Kauffahrteischiffe so oft gegen vorherrschende Winde kreuzen mussten. Im Zeitalter der Dampfschiffe war das Verb bereits dabei, aus dem aktiven Sprachschatz zu verschwinden, blieb aber in der maritimen Literatur und in offiziellen Logbüchern verbreitet.
Nach Region und Schiffstyp gab es Unterschiede. Schiffe mit Längssegel wie Kutter und Brigg konnten höher in den Wind fahren und kürzere Wendemanöver ausführen als Rahsegler. Ein Schoner konnte erfolgreich kreuzen, wo ein vollgetakeltes Schiff gezwungen wäre auszuweichen und einen längeren Kurs zu nehmen. Die Wirksamkeit des Kreuzens hing ganz von den Segeleigenschaften des Schiffes, der Geschicklichkeit der Besatzung sowie von Stärke und Richtung des Windes ab.
Kreuzen teilt die Wurzel mit Begriffen wie befahrene Meere und Handel treiben, doch diese Verwendungen beschreiben eine regelmäßige Fahrt über eine bekannte Route und nicht das spezifische Manöver des Kämpfens gegen den Wind. Moderne Freizeitsegler führen das Manöver ständig aus; sie nennen es einfach Wenden oder Kreuzen. Das Wort selbst verschwand im zwanzigsten Jahrhundert aus dem aktiven Gebrauch, als motorgetriebene Schiffe die Beschränkung durch die Windrichtung völlig aufhoben.