Andruckprobe
Englisch: proof
Ein Probeabzug; ein Probedruck von Lettern zur Kontrolle und Korrektur.
Andrucke: der Testdruck vor dem eigentlichen Druckauftrag
Ein Andruck ist ein Probedruck von Satz, Druckformen oder digitalen Dateien, bevor die Serienproduktion läuft. Er zeigt, wie das fertige Druckerzeugnis wirklich aussieht, und deckt Fehler in Text, Farben, Passergenauigkeit und Layout auf, die nur im physischen Druck sichtbar werden, nicht auf dem Bildschirm. Bei Letterpress- und Offsetdruck sind Andrucke unverzichtbar, weil Korrektionen in dieser Phase Minuten und kleines Geld kosten; Korrektionen, die während des Drucks entdeckt werden, kosten Stunden und echtes Geld.
Das Druckgewerbe kennt mehrere Andruck-Stufen. Ein Fahnenabzug zeigt nur Text, üblicherweise auf einem langen Streifen, und wird von Redakteuren und Setzern verwendet, um Tippfehler und Abstände vor dem Seitenlayout zu fangen. Ein Seitenabzug oder Composite-Andruck zeigt das fertige Layout mit Bildern und Text in Position. Im Offset- und Digitaldruck ermöglichen Farbproofs (Verträge, Maschinenproofs) die Simulation der endgültigen Farbausgabe und ermöglichen die Freigabe, bevor die Maschine Tausende Bogen druckt. Größere Druckereien ziehen möglicherweise Blaupausen oder Matchprints speziell zur Farbkontrolle.
Andrucke werden mit denselben Materialien und Verfahren wie Produktionsläufe gezogen, skaliert auf den jeweiligen Auftrag. Ein einzelner Bogen vom Belichter oder eine Kleinauflage von 10 bis 50 Exemplaren kostet deutlich weniger, als Passerfehler, überraschende Punktzunahmen oder Farbabweichungen erst nach 100.000 Druckbögen zu entdecken. Der Andruck wird vom Kunden oder vom internen Qualitätsteam freigegeben, mit Korrektionen gekennzeichnet und vor dem Anlauf der eigentlichen Produktion an die Druckmaschine zurückgebracht.
Der Begriff Andruck hat historisches Gewicht. In der Zeit von Bleisatz und Fotolithografie war ein Andruck ein physisches Objekt: Tinte auf Papier, unmöglich zu fälschen oder zu bestreiten. Die Druckerei verwahrte einen Archivandruck in der Auftragstasche als rechtliche Dokumentation dessen, was freigegeben wurde. Auch in modernen digitalen Arbeitsabläufen ziehen viele Druckereien noch einen Maschinenandruck direkt von der Produktionsmaschine, im reduzierten Tempo auf dem echten Papierbelag gefahren, weil nichts damit vergleichbar ist, wie die Tinten und das Substrat unter echten Bedingungen miteinander wirken.
Häufige Fehlerquellen: Andrucke werden zu schnell und oberflächlich freigegeben; Andrucke auf anderem Papier gezogen als der Enddruck, was Farbverschiebungen durch das Substrat verdeckt; Andrucke, die das richtige Rasterliniengewebe oder den richtigen Halbtonwinkel nicht widerspiegeln; Andrucke, die von der falschen Person oder ohne schriftliche Freigabe unterzeichnet wurden. Im Geschäftsbetrieb sind Streitigkeiten darüber, ob ein fertiges Erzeugnis einem alten Andruck entspricht, häufig; deshalb werden Andrucke archiviert und datiert.