Kammerbau
Englisch: room and pillar
Eine Gewinnungsart, bei der das Abbaugut in einer horizontalen Ebene gewonnen wird und dabei horizontale Reihen von Kammern und Pfeilern entstehen.
Kammerbau: Untertagebau mit systematischen Stützpfeilern
Kammerbau ist ein Abbauverfahren, bei dem horizontale Erz- oder Kohleflöze nach einem Muster abgebaut werden, das ein regelmäßiges Gitter von nicht abgebautem Material hinterlässt, sogenannte Pfeiler, die das darüberliegende Gestein abstützen. Die abgebauten Räume sind die Kammern. Dieses Muster wird von Anfang an geplant und systematisch über den gesamten Lagerstättenkörper oder das Flöz angewendet, typischerweise in Teufen zwischen 100 und 1.200 Metern. Das Verfahren funktioniert gut in flach lagernden Vorkommen, in denen das Erz oder die Kohle gleichmäßige Mächtigkeit und ausreichende Festigkeit aufweist.
Die Geometrie richtet sich nach den örtlichen Bedingungen. Pfeilerbreite und Kammerbreite werden anhand der Abbauteufe, der Festigkeit des zurückbleibenden Gesteins und der Last, die es tragen muss, gewählt. Der Kohlebergbau arbeitet oft mit schmaleren Pfeilern, manchmal 20 bis 40 Meter breit, mit Kammern von ähnlicher oder größerer Spannweite. Das Verhältnis der Pfeilerfläche zur Gesamtfläche (die Abbauquote) liegt typischerweise zwischen 40 und 70 Prozent, das heißt, 30 bis 60 Prozent des Erzes bleiben als Stützung im Berg. Größere Pfeiler sind erforderlich in größerer Teufe, weil die vertikale Spannung mit dem Gewicht der Überlasten zunimmt.
Eine wesentliche Gefahr ist das Versagen von Pfeilern unter Last. Mit fortschreitendem Abbau und Spannungskonzentration auf den verbleibenden Pfeilern können diese plötzlich zerbrechen und Bruchvorgänge auslösen, die sich über große Bereiche ausbreiten können. Das Risiko ist in der Abbauphase am höchsten, wenn Bergleute rückwärts arbeiten und zusätzliche Kohle oder Erz von den Peilerkanten abbauen, dabei absichtlich die Stützung verringern, während sie den Bereich verlassen. Die Gebirgskontrolle erfordert sorgfältige Spannungsüberwachung, gesteinsmechanische Prüfungen und manchmal das Aufgeben von Grenzpfeilern. Aufgegebene Baue können auch durch Wassereintritt und Korrosion langfristig geschädigt werden.
Kammerbau unterscheidet sich vom Strebabbau, bei dem ein kontinuierlich bewegter Abbaufront und kontrolliertes Gebirgsnachfall verwendet werden. Im Gegensatz dazu hat Kammerbau zum Ziel, die Oberfläche durch Erhalt der Pfeiler stabil zu halten, wobei dies oft bedeutet, Erz dauerhaft im Berg zu belassen. Manche Betriebe verwenden einen zweiphasigen Ansatz: anfänglicher Abbau mit hoher Quote in der Vortriebsphase, dann selektive Pfeilerrückgewinnung in der Abbauphase, aber nur dort, wo Geologie und Spannungsberechnungen dies sicher erlauben.
Das Verfahren ist wirtschaftlich für mächtige, gleichmäßige Flöze von mittlerem bis hohem Wert, besonders Kohle, Kali und Salz. Es ermöglicht flexible Arbeitsplanung, weil Bereiche unabhängig voneinander bearbeitet werden können, und es erfordert weniger Kapitalausrüstung als Strebabbausysteme. Allerdings sind die Gewinnungsquoten niedriger als beim Strebabbau, und die verteilte Pfeilerstruktur kann den späteren Bergbau erschweren, wenn der Betrieb wieder aufgenommen oder vertieft wird. Die Bewetterung großer Kammernetzwerke erfordert ebenfalls sorgfältige Planung, besonders in Kohlegruben, wo Methan und Staubbekämpfung kritisch sind.