Lokschuppen
Englisch: roundhouse
Ein kreisförmiges Gebäude zur Unterbringung von Lokomotiven, oft mit Drehscheibe.
Rundhaus: wo Lokomotiven schlafen und sich drehen
Ein Rundhaus ist eine Instandhaltungs- und Lagerstätte mit kreisförmigem oder halbkreisförmigem Grundriss, die zum Abstellen von Lokomotiven während ihrer Ruhezeiten gebaut wird. Das charakteristische Merkmal des Gebäudes ist eine zentrale Drehscheibe, eine drehbare Plattform in der Bodenfläche, welche es Lokomotiven ermöglicht, auf einem Gleis einzufahren und in jede beliebige Richtung auszufahren, ohne zu schalten oder zu rangieren. Dies macht aufwendige Wendeschleifen oder komplexe Gleisgeometrien überflüssig und ermöglicht eine effiziente Raumnutzung im Bahnhof, besonders vor dem Zeitalter der Diesellokomotiven, die gleich gut in beide Richtungen fahren konnten.
Die Struktur besteht aus radial angeordneten Ständen, typischerweise zwölf bis zwanzig an der Zahl, die wie Speichen um die Drehscheibe herum angeordnet sind. Jeder Stand ist lang genug für eine komplette Lokomotive, und die Gleise darin konvergieren zur Drehscheibengrube. Das Gebäude selbst kann teilweise oder vollständig geschlossen sein, mit Gewölbe- oder Satteldächern zur Wasserableitung und Lüftung für Dampf und Rauch. Ziegel-, Stein- und später Stahlrahmenbau waren üblich, mit großen Türen am Eingang jedes Standes für Zugang und um Wärmeverluste zu minimieren.
Notwendigkeit im Dampflok-Zeitalter, Vermächtnis im Diesel-Zeitalter
Rundhäuser waren für den Betrieb von Dampflokomotiven unverzichtbar. Dampfmaschinen benötigten häufige Wartung, Wassernachfüllung, Kohlenladen und Ascheentfernung. Die Drehscheibe ermöglichte effizientes Rangieren und Abstellen, ohne die Lokomotive in einer ungünstigen Fahrtrichtung zu belassen. Mit dem massiven Einsatz von Diesellokomotiven Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, die weniger häufige Wartung brauchten und bidirektional fahren konnten, sank die betriebliche Notwendigkeit des Rundhauses. Viele wurden abgerissen oder anderweitig genutzt; andere blieben als Einrichtungen von Eisenbahnmuseen erhalten.
Der Begriff "Rundhaus" hält sich in der Eisenbahnterminologie, auch wenn moderne Anlagen dem klassischen Design physisch nicht ähneln. Einige Eisenbahnen verwendeten den Begriff großzügig für jedes Lokdepot oder jede Remise mit Drehscheibe, unabhängig von ihrer Grundform. Das Wort selbst leitet sich offenbar von der Kreisform ab, obwohl frühe Beispiele in der Geometrie erheblich variierten. Halbkreisförmige Ausführungen waren häufig, wenn Platz begrenzt war oder nur teilweise Drehung erforderlich war.
Reste von Rundhäusern sind an Eisenbahnmuseen und in Eisenbahnsammlungen erhalten, wo sie funktionale und pädagogische Rollen erfüllen. Ihre robuste Konstruktion und charakteristische Architektur haben viele für die Erhaltung würdig gemacht. Industriearchäologen erkennen Rundhäuser als Markierungspunkte der Eisenbahnentwicklung an: ihre Existenz, Größe und Zustand erzählen die Geschichte des Lokbestandes, des Verkehrsvolumens und der Wartungspraktiken einer Region während einer bestimmten Epoche.