Spiritusmatrize
Englisch: spirit master
Ein zweischichtiges Papierblatt für Spiritusduplikatoren, bei dem die obere Schicht beschrieben oder beschriftet werden konnte und die untere Schicht mit farbigem Wachs beschichtet war.
Spirituspapier: die Wachsschablone für den Spiritusdruck
Spirituspapier ist ein zweischichtiges Kohlepapier für den Einsatz in Spiritusdruckmaschinen, jene Offsetdruckgeräte, die von den 1930er bis 1980er Jahren in Büros und Schulen verbreitet waren. Die obere Schicht ist normales Papier, das Schreibmaschinenschläge, Kugelschreiber oder Bleistiftstriche annimmt. Die untere Schicht ist mit einer dünnen Schicht farbiges Wachs beschichtet, typischerweise violett, aber auch in Blau, Rot oder Schwarz erhältlich. Wenn man auf das obere Blatt drückt, überträgt der Druck ein Spiegelbild des farbigen Wachses auf die Unterseite des oberen Blattes und erzeugt so die Druckform.
Das Masterblatt wird mit der wachsbeschichteten Seite nach außen auf die Walze der Spiritusdruckmaschine montiert. Während die Walze rotiert, läuft sie unter einer Befeuchtungswalze hindurch, die eine kleine Menge Spirituslöser aufträgt, üblicherweise ein Methanol-Wasser-Gemisch, wobei moderne Versionen sicherere Lösemittel verwenden. Die Flüssigkeit löst die Wachsschicht vorübergehend auf und überträgt die farbige Schicht auf jedes Blatt Papier, das gegen die Walze gedrückt wird. Ein typisches Spirituspapier kann 100 bis 300 lesbare Kopien erzeugen, bevor die Wachsschicht aufgebraucht ist.
Varianten und Grenzen
Spirituspapiere gab es in verschiedenen Größen für unterschiedliche Papierformate. Mehrfarbenschablonen ermöglichten es dem Bediener, verschiedenfarbige Bilder durch separate Wachsschichten auf demselben oberen Blatt herzustellen, allerdings war die Passergenauigkeit ungenau. Der Hauptnachteil war die Bildqualität: Spiritusdruckmaschinen erzeugten verschwommene, kontrastarm gedruckte Ausgaben im Vergleich zur Offsetlithografie. Das farbige Wachs machte auch Originalkorrekturarbeiten schwierig. Löschen und erneutes Schreiben waren möglich, hinterließen aber meist sichtbare Geisterbilder.
Der Begriff Spirituspapier bezieht sich auf das Lösemittel des Verfahrens. Das Masterblatt selbst enthielt keine Tinte im modernen Sinne; stattdessen speicherte es ein wachsartiges Pigment, das während des Drucks selektiv gelöst und übertragen wurde. Das unterschied sich grundlegend von Mimeografenschablonen, die durchlöcherte Blätter waren, oder Offsetmastern, die fotografische Emulsionen nutzten. Spiritusdruckmaschinen wurden Standard in Schulen, weil sie billig, schnell und einfach zu bedienen waren, wurden aber seit den 1990er Jahren von Kopierern und digitalen Druckern fast vollständig verdrängt.