Steinredakteur
Englisch: stone editor
Ein Redakteur, der mit dem Schriftsetzer am Setzschiff zusammenarbeitet, um die Anordnung des Materials auf der Seite zu bestimmen.
Steinredakteur: Layoutspezialist am Druckrahmen
Ein Steinredakteur war ein erfahrener Schriftsetzer, der direkt am Impositionstein arbeitete, der schweren Gusseisen- oder Stahlfläche, auf der Schrift zu Seiten zusammengesetzt wurde, bevor sie in den Druck ging. Während ein Schriftsetzer einzelne Schriftzeilen am Ständer setzte, bekam der Steinredakteur diese Zeilen und ordnete sie zum endgültigen Seitenlayout an. Dabei traf er in Echtzeit Entscheidungen über Abstände, Spaltenumbrüche und Positionierung, um die Absicht des Designers oder die Vorgaben des Verlags zu erfüllen.
Die Rolle erforderte sowohl technisches Geschick als auch ästhetisches Urteilsvermögen. Der Steinredakteur musste überprüfen, dass die Ränder gleichmäßig waren, dass Spalten über mehrere Seiten in einer Lage ausgerichtet waren und dass Silbentrennung und Zeilenumbrüche korrekt saßen. Er arbeitete mit Ausschlussmaterial (Metallabstandsblöcke) und Blindmaterial (dünne Metallstreifen), um Leerraum anzupassen. Bei einer arbeitsintensiven Zeitung oder Buchproduktion war der Steinredakteur der Ort, wo Designabsicht auf mechanische Realität traf; er konnte Probleme entdecken, die sonst die Druckerpresse erreicht hätten.
Der Impositionstein in der Praxis
Der Impositionstein selbst war typischerweise 1,2 bis 1,8 Meter breit und 0,9 bis 1,5 Meter tief, mit einer ebenen Fläche, die in einen Rahmen, einen rechteckigen Stahlrahmen, eingespannt werden konnte, der die zusammengesetzte Schrift während des Drucks sicherte. Ein Steinredakteur stand bei der Arbeit und handhabte Schriftseiten, die vollständig gesperrt 9 bis 18 Kilogramm wiegen konnten. Er benutzte ein Messinglineal zur Überprüfung der Ausrichtung und ein Senklot, um zu überprüfen, dass vertikale Linien wirklich lotrecht waren.
Steinredakteure waren in Hochdruckbetrieben vom 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts unerlässlich. Mit der Verbreitung von Fotosatz und Offsetdruck an Stelle der Bleisatzkomposition verschwand die Rolle allmählich. Der Begriff hielt sich länger in Zeitungsdruckereien als in Buchdruckereien, wo der Arbeitsablauf schneller war und die Layoutentscheidungen routinemäßiger. In den 1970er Jahren war der Steinredakteur zur Seltenheit geworden; die Desktop-Publishing-Revolution der 1980er Jahre machte den physischen Impositionstein selbst überflüssig.
Der Name Steinredakteur bezieht sich auf die wörtliche Steinfläche (später durch Gusseisen ersetzt), auf der die Arbeit stattfand, nicht auf den Redakteur einer Zeitung oder Zeitschrift. Es war eine Schriftsetzerstelle, keine Redaktionsposition, und erforderte eine Ausbildung im Druckhandwerk statt eines journalistischen Hintergrunds.