Spikereife
Englisch: studded tyre
Ein Reifen mit Gummi, der bei Minusgraden weich bleibt und mit Metallstiften (Spikes) ausgestattet ist, um die Bodenhaftung auf Eis zu verbessern, indem diese in das Eis eindringen.
Spiktreifen: metallbewehrter Wintergriff auf Eis
Ein Spiktreifen ist ein Winterreifen, in dem kleine Metallstifte aus Wolframkarbid oder Stahl eingebettet sind und aus der Gummifläche herausragen. Diese Spikes sind normalerweise 6 bis 8 Millimeter lang und 4 bis 5 Millimeter im Durchmesser und greifen direkt in die Eisoberfläche ein, statt sich allein auf Reibung zu verlassen. Die Gummimischung selbst bleibt bei Temperaturen deutlich unter 0 Grad Celsius geschmeidig und elastisch, während Standard-Sommerreifen verhärten und an Griffigkeit verlieren.
Die Spikverteilung variiert je nach Hersteller und Reifengröße, aber die meisten Winterreifen haben je nach Breite 80 bis 120 Spikes pro Reifen. Die Spikes werden während der Vulkanisation in vorgebohrte Löcher in die Laufflächenblöcke gepresst oder nach dem Aushärten eingesetzt. Doppelspike-Designs setzen zwei Spikes pro Loch bei schwierigen Fahrbedingungen ein, was aber den Verschleiß und die Straßenschäden erhöht. Das Spikematerial ist entscheidend: Wolframkarbid hält länger als Stahl, kostet aber mehr; weiche Stahlspikes sind billiger, verschleißen schneller und können auf längeren Fahrten verloren gehen.
Wo Spiktreifen glänzen und versagen
Auf verdichteter Schneedecke und spurigen Schneeflächen sind Spiktreifen 20 bis 30 Prozent besser als nicht gespickte Winterreifen beim Bremsweg und der Bodenhaftung. Bei nassen Straßen über 4 Grad Celsius oder auf Asphalt ohne Spuren bieten Spikes keinen Vorteil und verringern die Traktion sogar, weil sie die Gummiauflagefläche reduzieren. Die Spikes erhöhen den Rollwiderstand, verschlechtern den Kraftstoffverbrauch um 5 bis 10 Prozent und erzeugen Lärm durch das Aufschlagen des Metalls auf dem Belag. Sie beschädigen auch die Straßenoberfläche schneller als normale Reifen, weshalb viele Regionen sie in wärmeren Monaten oder auf neueren, reibungsarmen Straßenbelägen einschränken oder verbieten.
Der Spikeverlust ist ein häufiges Ausfallmuster. Wenn der Gummi abnutzt und die Löcher größer werden, vibrieren einzelne Spikes locker und fallen auf die Fahrbahn. Ein Reifen, der über 30 Prozent seiner Spikes verliert, verliert messbare Leistung. Vandalismus und Beschädigungen können den Verlust beschleunigen. Der Gummi um jeden Spike herum neigt auch dazu, um das Loch herum zu reißen oder auszubrechen, was die strukturelle Integrität mindert. Spiktreifen müssen normalerweise bei 3 bis 5 Millimetern verbleibender Profiltiefe ausgetauscht werden statt bei der zulässigen Mindesttiefe von 1,6 Millimetern.
Viele europäische und nordamerikanische Rechtsprechungen erlauben Spiktreifen nur während der Wintermonate, normalerweise November bis März in nördlichen Klimazonen, und erfordern einen Reifenwechsel. Manche Regionen verbieten sie ganz auf Beton oder modernem porösem Asphalt. Trotz dieser Einschränkungen bleiben Spiktreifen in Skandinavien, Russland und anderen Kaltklimamärkten Standard, wo Eisstraßen und extreme Winterbedingungen vorherrschen. Länder wie Deutschland und große Teile Südeuropas sind stattdessen weitgehend zu Wintermischungen ohne Spikes übergegangen und akzeptieren etwas niedrigere Eisgriffigkeit zugunsten von Ganzjahreseinsatzbarkeit und reduziertem Straßenverschleiß.