Traduktor
Englisch: traductor
Langer Arm zum Aufhängen eines Sackes, der auf einen fahrenden Zug abgeworfen wird und sich durch eine Feder selbsttätig zurückzieht, wenn der Sack abgeworfen ist.
Traductor: der federbelastete Arm zum Übergeben von Post an fahrende Züge
Ein Traductor ist ein angelenkter mechanischer Arm, normalerweise 1,5 bis 2,5 Meter lang, der horizontal von einem festen Pfosten oder Ständer neben dem Gleis auskragt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, einen Postsack oder ein Paket in genau der richtigen Höhe und im richtigen Winkel zu halten, damit ein Zugführer oder Begleiter es bei Vorbeifahrt des Zuges in einer Geschwindigkeit von normalerweise 15 bis 40 Kilometer pro Stunde erfassen kann. Sobald ein Besatzungsmitglied den Sack hochnimmt, zieht eine starke Spiralfeder den Arm automatisch in die Ruheposition gegen den Pfosten zurück.
Der Arm selbst besteht üblicherweise aus Schmiedeeisen oder Stahl und hat an seinem freien Ende einen Haken oder eine Öse zur Aufnahme des Tragseils oder der Tragtrosse. Der Federmechanismus, der um oder parallel zur Schwenkachse des Arms angebracht ist, speichert genug Energie, um den Arm nach dem Abladen schnell zurückzuziehen. Die Spannung muss sorgfältig abgestimmt werden: Zu schwach, und der Arm hängt schlaff nach dem Auslösen; zu stark, und er schnellt gefährlich zurück, wenn die Besatzung den Sack nicht sauber erfasst.
Historischer Hintergrund und Eisenbahn-Postdienste
Der Traductor war unverzichtbar für die Bahnpostbeförderung, bevor mechanisierte Sortieranlagen zum Standard wurden. Stationspersonal oder Bahnpost-Auftragnehmer hängten ausgehende Post in einem Leinwand- oder Ledersack am Arm auf, wenn der Postzug herannahte. Der Mechanismus machte einen Stopp des Zuges überflüssig und sparte wertvolle Minuten bei Fahrplänen ein, die eng kalkuliert waren. Dieses System war besonders auf Nebenbahnen und kleineren Stationen verbreitet, wo ein komplettes Postgebäude wirtschaftlich unrentabel war.
Der Name leitet sich vom spanischen und lateinischen Wort 'traducir' ab, was Überführung oder Transport bedeutet, und spiegelt den Zweck des Geräts wider: Post zwischen fester Infrastruktur und fahrendem Rollmaterial ohne Unterbrechung zu übergeben. Obwohl die meisten Tradutores außer Betrieb genommen wurden, weil sich Postverkehre verlagerten und Postdienste konsolidiert wurden, erhalten einige Museumsbahnen und Gedenkstätten sie als funktionsfähige Demonstrationsobjekte der Logistik aus der Eisenbahnzeit.
Verschleiß und Materialermüdung sind die Hauptausfallursachen. Die Feder verliert über Jahre an Spannung und muss ersetzt werden. Die Schwenkachse korrodiert, falls nicht regelmäßig geschmiert, und das Tragseil oder die Tragtrosse kann ausfasern oder reißen, wenn ein zu schwerer Sack plötzlich erfasst wird oder zu kräftig zugegriffen wird. Moderne Exemplare sind auf betriebenen Eisenbahnen kaum noch anzutreffen und sind daher primär von technisch-historischem und gesellschaftsgeschichtlichem Interesse.