Stollen
Englisch: tunnel
Waagerechter Schacht, der quer durch die Flöze oder senkrecht zu den Adern getrieben wird, die man erreichen möchte; unterscheidet sich vom Streb oder der Sohle, die entlang der gefundenen Ader geführt wird.
Stollen: ein horizontal getriebener Grubenbau zum Aufschluss von Erz
Ein Stollen im Bergbau ist ein ebenes oder nahezu ebenes, horizontal durch das Gestein getriebenes Grubengebäude, um einen angestrebten Mineralgang oder eine Lagerstätte zu erreichen. Im Unterschied zu einem Flöz oder einer Sohle, die einen Erzgang nach dessen Auffindung verfolgten, ist ein Stollen der Aufschlussgrubenbau, der quer durch das Nebengestein getrieben wird, oft senkrecht zum Streichen der Gänge, die er treffen soll. Der Stollen dient als Zugangsweg und Aufschlussbauwerkzeug und ermöglicht es den Bergleuten festzustellen, ob in der Treibrichtung wertvolles Erz vorhanden ist.
Stollen werden von der Oberfläche oder von bestehenden Grubenbauen aus getrieben, mit Handwerkzeugen, Sprengstoff oder in modernen Betrieben mit mechanischen Bohrmaschinen. Das Grubengebäude ist in der Regel mit Holz oder Stahlausbau gestützt, um Einsturz zu verhindern. Die Abmessungen richten sich nach der Lagerstätte und dem Umfang des Betriebs. Ein kleiner Aufschlussflöz könnte 6 Fuß hoch und 5 Fuß breit sein; größere Produktionsstollen, die als Hauptzugänge oder Förderweg dienen, können 15 Fuß oder mehr in beiden Dimensionen überschreiten. Das beim Vortrieb des Stollens anfallende Gestein wird als Berge bezeichnet und muss ausgefahren oder unterirdisch gelagert werden.
Stollen und Gänge im Grubengebäude
Die Unterscheidung zwischen Stollen und Flöz ist für Planung und Bezeichnung wichtig. Ein Stollen ist ein querschlägiger Grubenbau, der beim Vortrieb einen oder mehrere Gänge treffen kann. Ist ein Gang erreicht, können die Bergleute ein Flöz oder eine Sohle entlang des Gangs treiben, um das Erz aufzuschließen und zu gewinnen. Ein einzelner Hauptstollen kann zu mehreren Flözen führen, die entlang verschiedener Erzlagerstätten abzweigen. Bei steil fallenden oder senkrechten Gängen werden Stollen oft auf aufeinanderfolgenden Sohlen, eine über der anderen, getrieben, um verschiedene Teile der Lagerstätte abzubauen.
Der Erfolg eines Stollenvortribs hängt von genauer Vermessung und Kenntnis der lokalen Geologie ab. Ein Stollen, der in falscher Richtung oder Höhe getrieben wird, kann sein Ziel völlig verfehlen und Arbeit und Sprengstoff verschwenden. Bergbauingenieure nutzen Oberflächenkartierung, Handbohrungen und frühere Grubenbaue, um die Lage und Neigung der angestrebten Gänge vor Beginn des Stollenvortribs abzuschätzen. Trifft ein Stollen einen Gang, werden dessen Beschaffenheit und Breite festgehalten; wird kein Gang gefunden, kann der Stollen je nach Teufe und dem Vertrauen des Betreibers in die Geologie verlängert oder eingestellt werden.
Der Stollenvortrieb funktioniert auch als primäres Zugangssystem in unterirdischen Gruben. Hauptstollen, die von der Schachtanlage oder dem Mundloch führen, dienen als Wetterzüge, Wasserleitungen und Verkehrswege für Personal und Erzförderung. Diese Grubengebäude müssen offen und gangbar gehalten werden; sie sind oft Gegenstand von Grubensicherungsarbeiten. Im Steinkohlenbergbau ist der Begriff Stollen weniger gebräuchlich; Bergleute dort verwenden stattdessen Flöz und Streb. Im Erzbergbau bleibt Stollen der Standardbegriff für einen Aufschlussgrubenbau, der die Struktur querschlägig durchörtert, um Erz zu finden oder zu erreichen.