Wendeblech
Englisch: turnsheet
Eine Metallplatte, die als Untergrund zum Wenden von Grubenhunden dient.
Drehplatte: die Metallplatte, die einen Förderwagen in der Grube wendet
Eine Drehplatte ist eine kreisförmige oder halbkreisförmige Metallplatte, typischerweise 1,2 bis 1,8 m im Durchmesser, die bündig mit dem Boden eines Schachts oder einer Grubenstrecke liegt. Ihre Oberseite ist glatt und leicht gewölbt, damit die Räder eines Förderwagens reibungslos darüber rollen können, ohne sich zu verfangen. Die Platte dreht sich um einen zentralen Bolzen oder Drucklager, so dass ein beladener oder leerer Wagen in einem großen Bogen geschwenkt werden kann. Damit wird die Fahrtrichtung von einer Gleislinie zur anderen geändert, ohne dass der Wagen abgekuppelt oder komplexe Weichensysteme betätigt werden müssen.
In der Praxis schiebt der Bergmann oder Grubenbauer den Wagen auf die Drehplatte, dann wendet er Kraft auf die Seite des Wagens auf, um die gesamte Platte unter ihm zu drehen. Die Reibung zwischen der Platte und den Rädern des Wagens sorgt für ausreichend Halt bei diesem Vorgang. Sobald der Wagen in die gewünschte Richtung geschwenkt ist, wird er auf das wartende Gleis hinuntergerollt. Das Verfahren spart die Kosten und Komplexität von herkömmlichen Weichen und Kreuzungen ein, die eine hohe Präzision und regelmäßige Wartung erfordern.
Varianten und Einsatzorte
Drehplatten waren am häufigsten in Kohle- und Erzgruben des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts anzutreffen, obwohl sie in kleineren oder isolierteren Betrieben länger in Gebrauch blieben. Einige waren dauerhaft in Strecken oder Abbaubereichen eingebaut, andere waren tragbar und wurden mit dem Fortschritt der Abbauflächen versetzt. Gusseisen war das Standardmaterial, da es bei wiederholten Schlägen dauerhaft ist und in feuchter Grubenwelt nicht rostet. Die Plattendicke lag typischerweise zwischen 2,5 und 5 cm.
Die Vorrichtung funktionierte gut für handgesteuerte Wagen mit Schrittgeschwindigkeit, wurde aber obsolet, als die Gruben zu mechanischer Förderung und größerem Rollmaterial übergingen. Moderne Gruben mit Elektrolokomotiven und Normalspur haben keinen Bedarf für Drehplatten. Der Begriff bleibt jedoch in der Bergbaugeschichte und in Dokumentationen zum Bergbauerbe erhalten, und Beispiele finden sich manchmal bei der Sanierung oder Erforschung alter Grubenbaue.
Die Einfachheit der Drehplatte machte sie in abgelegenen oder sich entwickelnden Bergbauregionen attraktiv, wo spezialisierte Gießereiarbeiten schwer zu beschaffen waren. Ein Schmied mit grundlegenden Fähigkeiten konnte eine Drehplatte aus gebrauchtem Blech oder Schrott anfertigen. Trotz ihres einfachen Aussehens konnte eine gut gefertigte Drehplatte jahrzehntelang zuverlässig funktionieren und benötigte nur gelegentliche Wartung: regelmäßiges Ölen des Drehpunkts und Entfernung von angesammeltem Schmutz.