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Drucktechnik

Schriftkasten

Englisch: typecase

Behälter mit den Schriftzeichen des Druckers.

Schriftenkasten: das hölzerne Fachsystem zur Sortierung von Bleitypen

Ein Schriftenkasten ist ein flaches, unterteiltes Holzkästchen, das in der Letterpressdruckerei zur Lagerung und Ordnung einzelner Bleitypen dient. Jedes Fach, auch Box oder Zelle genannt, nimmt einen Buchstaben oder ein Sonderzeichen in einer bestimmten Größe und Gewichtsklasse auf. Der Kasten sitzt auf einem geneigten Ständer in ergonomischer Arbeitshöhe, sodass der Schriftsetzer die Typen von Hand greifen und in den Winkelhaken einsetzen kann.

In der klassischen Praxis arbeiten zwei verschiedene Kästen zusammen: der Großbuchstabenkasten oben enthält Großbuchstaben und Akzentzeichen, der Kleinbuchstabenkasten darunter die Kleinbuchstaben, Ziffern, Satzzeichen und Sperrmetall. Der untere Kasten hat mehr Fächer, weil Kleinbuchstaben im Text häufiger vorkommen. Manche Schriftgießereien und Druckereien hielten zusätzliche Spezialkästen für Ligaturen, Brüche, Verzierungen oder ausländische Schriftzeichen bereit. Die Kästen unterschieden sich je nach Schriftgießerei und Region leicht, die grundlegende Anordnung war aber in einem Betrieb relativ einheitlich.

Aufbau und Anordnung

Ein Standard-Schriftenkasten misst etwa 76 Zentimeter in der Breite und etwa 43 Zentimeter in der Tiefe und enthält 98 bis 120 Fächer unterschiedlicher Größe. Die größten Fächer sind für die meistgebrauchten Buchstaben wie e, t, a und o vorgesehen; kleinere Fächer halten seltene Buchstaben wie q, x und z. Die Fächer werden durch hölzerne, auf eine Grundplatte geleirnte Trennleisten voneinander abgegrenzt. Kästen wurden aus Kirsche, Ahorn oder Kiefer hergestellt, und ein gut gepflegter Kasten konnte einen Betrieb jahrzehntelang bedienen.

Schriftsetzer mussten sich die Lage jedes Zeichens in ihren Kästen merken, um schnell arbeiten zu können, ohne hinzusehen. Diese Handgrifficherkeit wurde durch jahrelange Lehrzeit und Übung entwickelt. Erfahrene Schriftsetzer konnten die richtige Type in Folge fast automatisch greifen und setzen, Zeile um Zeile in beeindruckender Geschwindigkeit. Der Wechsel zu einem anderen Betrieb bedeutete, ein möglicherweise anderes Kastensystem zu erlernen, was ein echtes Problem im Arbeitsalltag darstellte.

Der Schriftenkasten geriet nach den 1950er Jahren mit der Einführung von Linotype- und Monotype-Maschinen, später von Fotosatz und digitaler Satzherstellung, aus dem Gebrauch. Manche Letterpress-Druckereien und Hobby-Drucker bewahren noch heute Kästen mit Bleitype auf, und für alle, die mit handgesetzten Typen arbeiten oder eine historische Drucksammlung betreuen, ist das Verständnis des Schriftenkastens unverzichtbar. Der Begriff lebt auch in der digitalen Typografie fort, wo Groß- und Kleinbuchstaben ihre historischen Namen behalten haben.

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