Gem
Englisch: gem
Schriftgrad zwischen Brilliant (4 Punkt) und Diamant (4,5 Punkt) mit 222 Zeilen pro Fuß
Gem: eine vergessene 4,25-Punkt-Schriftgröße aus der Bleisatzzeit
In der Ära des Bleisatzes war gem eine spezifische Schriftgröße mit 4,25 Punkten. Sie ergab 222 Zeilen pro Fuß, wenn man sie vertikal auf einer Seite setzte. Sie lag in der engen Lücke zwischen der 4-Punkt-Schrift brilliant darüber und der 4,5-Punkt-Schrift diamond darunter, ein Unterschied, der für Setzer beim manuellen Setzen oder beim Betrieb von Zeilengießmaschinen enorm wichtig war. Der Name folgte wie die meisten historischen Schriftgrößen keiner offensichtlichen Logik; die Gießereien vergaben einfach charakteristische Namen, um ihre Produkte in der Branche zu standardisieren.
Gem-Schrift wurde vor allem für Fußnoten, Randbemerkungen und dichtes Referenzmaterial verwendet, wo Platz kostbar war, die Lesbarkeit aber nicht unter ein bestimmtes Niveau sinken durfte. Zeitungen und wissenschaftliche Fachzeitschriften nutzten sie für Kleingedrucktes neben größerem Textkörper. Da gem in der Lücke zwischen zwei häufigeren Größen lag, wurde sie nie so häufig gelagert wie brilliant oder diamond und war bei vielen Gießereien eine Spezialbestellung.
Der Begriff gem wurde mit dem Übergang vom Bleisatz (Linotype, Monotype, manueller Bleisatz) zur Fotosatz in den 1960er und 1970er Jahren und später zur digitalen Typografie in den 1990er Jahren obsolet. Die moderne Typometrie arbeitet mit Punkten als reiner digitaler Einheit ohne die gießereispezifischen Größennamen. Ein Designer gibt heute einfach 4,25pt an oder nutzt eine beliebige Schrift in jeder gewünschten Größe; es braucht keine historischen Kategorien mehr, die einst Tausende einzelne Bleischriften in durchsuchbare Familien organisierten.
Drucker und Typografen, die vor 1980 ausgebildet wurden, erkennen gem, brilliant und diamond noch als Fachbegriffe dieser Zeit. Sammler von Bleischriften und Historiker der Drucktechnik stoßen auf diese Namen in alten Gießerei-Mustern und Setzer-Handbüchern. Wer mit historischen Dokumenten, Nachdruckprojekten oder Museumssammlungen von Buchdruckmaschinen arbeitet, profitiert davon, die gem-Größe zu kennen; sie hilft beim Datieren und Identifizieren von ursprünglichen Satzmethoden.