Minion
Englisch: minion
Schriftgröße zwischen Nonpareil und Brevier, standardisiert auf 7 Punkt.
Minion: eine 7-Punkt-Schriftgröße, heute weitgehend historisch
Minion ist eine feste Schriftgröße von 7 Punkt und liegt zwischen Nonpareil (6 Punkt) und Brevier (8 Punkt) in der alten hierarchischen Ordnung der Bleilettern. Sie war einst verbreitet im Buchwesen und in Zeitschriften, besonders für den Textsatz in kleineren Formaten oder für Fußnoten und Marginalien. Heute wird sie selten gegossen oder angegeben, existiert hauptsächlich in digitaler Form und im Gedächtnis von Buchdruckern.
Der Name leitet sich vom französischen Wort für "bevorzugt" oder "Liebling" ab, eine verspielt gewählte Bezeichnung aus einer Zeit, als Schriftgrößen benannt statt nummeriert wurden. Wie alle auf Punkt basierenden Größen wurde Minion im 19. Jahrhundert standardisiert, als die Druckindustrie auf einheitliche Messung hinarbeitete. Ein Punkt entspricht 1/72 Zoll; Minion misst daher etwa 0,097 Zoll oder 2,46 Millimeter von der Oberkante der höchsten Oberlänge bis zur Unterkante der tiefsten Unterlänge des Bleikörpers.
Vor der Fotosatzzeit und digitalen Schriften erschien Minion regelmäßig in Rechtsdokumenten, Nachschlagewerken und dichten wissenschaftlichen Texten, wo Platzersparnis zählte. Schriftmuster aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigen Minion in verschiedenen Gewichten und Breiten von Gießereien wie Monotype und Linotype gegossen. Die Größe ermöglichte etwa 55 bis 65 Zeichen pro Zeile auf Standardseitenbreiten, was einen lesbaren, aber kompakten Druck für Leser bot, die kleinere Schrift in Kauf nahmen.
Der Übergang zu Lichtsatz und digitaler Satzherstellung ab den 1960er Jahren machte Punktgrößen kontinuierlich statt diskret; ein Gestalter konnte nun 6,8 Punkt oder 7,4 Punkt angeben, ohne auf eine Gießerei warten zu müssen, die neues Metall schneidet. Minion wurde als praktischer Standard überflüssig, obwohl es in einigen digitalen Schriftfamilien, die als klassische Neugießungen vermarktet werden, als benannte Größe weiterlebt.
Im modernen Druck trifft man Minion fast ausschließlich in Restaurierungsarbeiten, bei der Gestaltung historischer Dokumente, die Originale nachbilden sollen, oder bei Enthusiasten, die nach Handpressenprinzipien arbeiten. Ihre historische Bedeutung liegt nicht in ihren eigenen Eigenschaften, sondern in ihrem Platz innerhalb eines vollständigen typografischen Systems, das einstmals das ganze Handwerk ordnete.