SpracheEnglishDeutsch
Drucktechnik

Vignette

Englisch: vignette

Ziermotiv, ursprünglich Weinranken oder Ranken darstellend, am Anfang eines Kapitels, einer Handschrift oder eines gedruckten Buches oder an ähnlicher Stelle.

Vignette: eine verblassende Zierbordüre, die in den weißen Rand ausläuft

In der Druckkunst ist eine Vignette eine kleine Illustration oder ein Zierelement, das allmählich in das umgebende weiße Papier oder den Hintergrund verblasst, ohne eine scharfe Grenzlinie zu hinterlassen. Anders als ein gerahmtes Bild mit definierten Rändern lösen sich die Grenzen einer Vignette sanft auf und erzeugen einen Effekt, der aus der Leere hervorzutreten und in ihr zu versinken scheint. Der Begriff stammt vom französischen vigne (Weinrebe), weil frühe Beispiele in Handschriften sich verschlingenden Weinlaub und Ranken zeigten, die dieses allmähliche Verblassen von Natur aus nahelegten.

Vignetten erscheinen am häufigsten am Anfang von Kapiteln, Abschnittsumbrüchen oder Titelseiten in Büchern und Zeitschriften. Sie erfüllen sowohl ästhetische als auch praktische Funktionen: Sie markieren Übergänge visuell und verleihen dem Seitenlayout gleichzeitig Eleganz. Bei Hochdruckarbeiten wurden Vignetten oft als einzelne Metallklischees gegossen oder aus Ziersatzsorten zusammengebaut. Lithografische Drucker konnten verblassende Ränder durch sorgfältige Steinbearbeitung oder mit speziell vorbereiteten Platten erzielen, die eine abnehmende Tintendichte zu den Kanten hin ermöglichten.

Eine echte Vignette zu schaffen erfordert vom Drucker die Kontrolle darüber, wie Tinte an der Grenzlinie auf das Papier aufgetragen wird. In der Fotolithografie bedeutete das, unscharfe Raster oder handretouchierte Negative einzusetzen, um ein allmähliches Abdunkeln zu erzeugen. Im digitalen Druck lassen sich Vignetten leichter durch Software herstellen, die algorithmisches Verblassen anwendet, doch Offset- und Hochdruckverfahren erfordern weiterhin handwerkliches Geschick. Der Effekt misslingt, wenn der Übergang zu abrupt ist (ein sichtbarer Halo entsteht) oder zu allmählich (das Bild verschwindet, bevor das Auge es erfassen kann).

Vignetten gerieten mit dem Aufkommen des klaren modernistischen Designs stark in Vergessenheit, das scharfe geometrische Rahmen oder gar keine Ornamente bevorzugte. Heute erscheinen sie in erster Linie in historischen Publikationen, Luxusausgaben oder Arbeiten, die bewusst auf die Ästhetik des 19. Jahrhunderts anspielen. Traditionelle Druckereien und Buchkünstler schätzen Vignetten nach wie vor als Zeichen sorgfältiger Verarbeitung, doch die handwerkliche Fertigkeit, die für ihre Ausführung nötig war, wurde weitgehend durch digitales Rendering ersetzt.

Mehr aus Industrial printing

Alle ansehen

Get the Word of the Day

One industrial term every day, with the trade it belongs to and why it is worth knowing. No advertising.