Coronis
Englisch: coronis
Eine mit der Feder gezogene gekrümmte Linie oder Verzierung am Ende eines Buches oder Kapitels; ein Kolophon. Beispiele: ⸎, ۞.
Coronis: die dekorative Verzierung, die das Ende kennzeichnet
Eine Coronis ist ein Schmuckzeichen oder eine Zierde, die am Ende eines Buches, Kapitels oder Abschnitts angebracht wird, um den Abschluss anzuzeigen. Sie funktioniert als visuelles Satzzeichen, vergleichbar mit modernen Kapitelendmarkern oder dem traditionellen Kolophon. Das Zeichen selbst ist normalerweise ein kleines, stilisiertes Design: einfache Kurven, geometrische Muster oder aufwändige Schnörkel je nach Epoche und Geschmack des Druckers. Historische Beispiele sind die Spiralform ⸎ und die Stern-Punkt-Anordnung ۞.
Die Coronis stammt aus der Manuskriptkultur, wo Schreiber handgezeichnete Marken nutzten, um Texte zu unterteilen und Endlichkeit zu signalisieren. Mit der Erfindung des Drucks im fünfzehnten Jahrhundert integrierten Schriftgestalter Coroniden als gegossene Ziertypen neben Standard-Schriftzeichen. Ein Drucker konnte diese Metallstücke in den Setzkasten wie jedes andere Schriftzeichen einsetzen und machte sie damit zu praktischen Elementen des Seitenlayouts statt zu nachträglichen Gedanken. Verschiedene Schriftgießereien entwickelten ihre eigenen Designs, sodass die Wahl der Coronis eines Druckers Teil der typografischen Handschrift eines Werkes wurde.
Coroniden erschienen regelmäßig in klassischen und Renaissance-Drucken, besonders in Literatur-, Theologie- und Rechtswerken, wo formale Struktur zählte. Sie wurden zentriert in der Zeile gesetzt, oft mit zusätzlichem Abstand oben und unten, um visuellen Raum zu schaffen. Im siebzehnten Jahrhundert ließ ihre Verwendung nach, als die Typografie zurückhaltender wurde, doch sie verschwanden nie ganz. Moderner Feindruckkunst und wissenschaftliche Ausgaben beleben sie manchmal wieder als Hommage an historische Praxis oder als bewusstes gestalterisches Zeichen.
Der Begriff selbst stammt vom griechischen Koronis, was eine gekrümmte Linie oder ein Strich bedeutet. In antiken Manuskripten war eine Coronis buchstäblich eine gekrümmte Feder-Markierung zur Kennzeichnung von Textteilungen. Die Verbindung zwischen dem griechischen Zeichen und dem späteren Druckelement ist unmittelbar: beide dienen als Schwellenzeichen, die ankündigen, dass ein Abschnitt endet und ein anderer beginnt, oder dass der gesamte Text abgeschlossen ist. Das macht die Coronis unterschiedlich vom Vignetten (dekoratives Bild) oder von Linien (einfache Striche): sie ist spezifisch ein Schlusszeichen, ein Punkt, der sichtbar und einprägsam gemacht wurde.