Dreadnought
Englisch: dreadnought
Kriegsschiff mit stärkerer Panzerung oder Bewaffnung als ein typisches Linienschiff.
Dreadnought: das Schlachtschiff, das alle anderen überflüssig machte
Ein Dreadnought ist ein Schlachtschifftyp, der von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Einführung von Strahlflugzeugen die Seekriegsführung dominierte. Die original HMS Dreadnought, 1906 von der Royal Navy in Dienst gestellt, war mit einer einheitlichen Hauptbatterie schwerer Geschütze ausgerüstet (zehn 12-Zoll-Geschütze in ihrem Fall), alle gleichen Kalibers und auf ein und dasselbe Feuerleitsystem montiert. Das war revolutionär. Ältere Schlachtschiffe hatten gemischte Geschützgrößen, was die Schießberechnungen aufwendig machte. Die einheitliche Bewaffnung des Dreadnoughts zusammen mit Dampfturbinen-Antrieb und verstärktem Panzerung machte jedes ältere Schlachtschiff dagegen geradezu zaghaft wirken.
Der Name wurde fast sofort zum Gattungsbegriff. Innerhalb eines Jahrzehnts bauten alle größeren Seemächte Dreadnoughts oder "Super-Dreadnoughts" mit schwereren Geschützen, stärkerer Panzerung und besseren Maschinen. Ein typischer Dreadnought der 1910er-Jahre verdrängte 20.000 bis 35.000 Tonnen und trug vier oder fünf Türme mit je zwei oder drei Geschützen von 12 bis 15 Zoll Kaliber. Die Geschwindigkeit lag zwischen 18 und 21 Knoten. Die Kosten waren enorm: ein einzelner Dreadnought konnte die halbe Jahresrüstungsbudget einer Marine aufzehren.
Konstruktionsvarianten und taktische Grenzen
Marinen experimentierten mit verschiedenen Anordnungen. Einige stellten die Türme staffelförmig versetzt auf, um mehr Geschütze auf Breitseite feuern zu können. Andere bauten Schlachtkreuzer: Schiffe vom Dreadnought-Typ mit leichterer Panzerung, aber höherer Geschwindigkeit (23 bis 26 Knoten) für Aufklärung und Handelsraub. Der Schlachtkreuzer erwies sich als gefährlicher Kompromiss; bei Jütland 1916 explodierten drei britische Schlachtkreuzer, als deutsche Granaten ihre dünnere Panzerung durchschlagen. Die eigentliche Schwachstelle des Dreadnoughts waren U-Boot- und Luftangriffe. Panzerung schützte vor Geschosstreffern, aber nicht vor einem Torpedo in der Munitionskammer oder einer Bombe von oben. Ab 1940 waren Dreadnoughts leichte Beute für Flugzeuge. Die letzten echten Dreadnought-Schlachtschiffe wurden in den 1940er-Jahren in Dienst gestellt, verbrachten aber den größten Teil des Zweiten Weltkriegs damit, Luftangriffen auszuweichen oder wurden durch Luftangriffe versenkt.
In den Werften war der Dreadnought ein Quantensprung in der Baukonstruktion. Ein Schiff mit zehn schweren Geschützen so zu bauen, dass es sich selbst nicht zerreißt, erforderte Fortschritte beim Schweißen, Nieten, Turbinenbau und bei der Feuerleitung. Die Geschütze selbst brauchten neue Rückstoßsysteme und Ladesysteme. Der Name "Dreadnought" ist umgangssprachlich; offiziell wurden diese Schiffe als Schlachtschiffe klassifiziert. In der informellen Fachsprache bezeichnet "Dreadnought" jedes Schlachtschiff mit ausschließlich großen Geschützen nach dem Muster von 1906, unabhängig von Herkunftsland oder Größe. Ein japanischer Dreadnought sah einem britischen oder amerikanischen sehr ähnlich, weil Physik und das Geschützproblem universell sind.