Deutsch
Drucktechnik

fett

Englisch: fat

AdjektivDrucktechnikveraltend

Von einer Schrifttype, die dem Schriftsetzer hohe Verdienste ermöglicht; verwendet für Satz mit viel Leerraum, Abbildungen oder vielen Durchschüssen.

Dickes Werk: lukratives Schriftsetzen mit viel Weißraum

Bei der manuellen Schriftsetzerei war dickes Werk jeder Auftrag, der für minimalen Aufwand überproportional bezahlt wurde. Das betraf Satzseiten mit großzügigen Zeilenabständen, umfangreiche Leerräume, große Auszeichnungsschriften mit wenigen Buchstaben pro Zeile oder häufige Verwendung von Klischees (Illustrationen oder Ornamentstöcken). Ein Setzer, der nach Stück bezahlt wurde, konnte solche Arbeiten schnell ausführen und verdiente dabei gleich viel wie bei dichterem, aufwändigerem Satz.

Das Gegenteil, genannt mageres Werk, war dichter Text mit minimalem Zeilenabstand, ohne Klischees und komplexem Satz, der viele Buchstaben und häufige Buchstabenwechsel erforderte. Eine Seite mageres Werk konnte zehntausend einzelne Lettern enthalten, dickes Werk vielleicht nur zweitausend. Der finanzielle Vorteil für den Setzer war offensichtlich, weshalb dicke Arbeiten begehrt waren und oft als Auszeichnung vergeben wurden.

Warum die Ausdrücke sich erhalten haben

Der Begriff stammte aus Druckereien des 18. Jahrhunderts und blieb während der Bleisatzzeit Standard. Schriftgießerei-Besitzer und Werkstattmeister verwendeten ihn als neutrale Fachsprache: Ein Auftrag mit zehn Punkt Zeilenabstand war einfach dickes Werk. Das Adjektiv war wertneutral, konnte aber Spannungen widerspiegeln, wenn dicke Arbeiten knapp wurden und Setzer gezwungen waren, mageres Werk zu machen.

Dickes und mageres Werk beeinflussten auch die Wirtschaftlichkeit von Akzidenzdruckereien. Ein Drucker, der Eilaufträge mit dickem Werk kalkulierte, konnte schnellere Lieferzeiten und Premiumpreise rechtfertigen. Umgekehrt erforderte komplexes mageres Werk sorgfältiges Espacieren, häufige Korrekturen und höhere Setzer-Qualifikation, sodass höhere Arbeitskosten auch zum Standardsatz legitim waren.

Quellen

Eintrag IG593529.03.2009

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