Ghosting
Englisch: ghosting
Unscharfes Fernsehbild infolge von Interferenzen durch Mehrwegeempfang.
Ghosting: das Doppelbild, das die Bildqualität zerstört
Ghosting beim Fernsehempfang ist ein Schatten- oder Doppelbild, das versetzt und leicht unscharf hinter dem Hauptbild erscheint. Es entsteht, wenn das Sendesignal den Empfänger über zwei oder mehr Wege unterschiedlicher Länge erreicht, üblicherweise über einen direkten Weg und einen oder mehrere reflektierte Wege, die von Gebäuden, Gelände oder Atmosphärenschichten abprallen. Die verzögerten Kopien treffen Mikrosekunden nach dem Hauptsignal ein, und da sie zur direkten Empfangswelle leicht phasenverschoben sind, erzeugen sie sichtbare Artefakte, statt das gewünschte Bild zu verstärken.
Der Effekt ist am stärksten bei UKW- und UHF-Fernsehen, besonders in Grenzempfangsgebieten oder in der Nähe großer reflektierender Hindernisse. Ein Sendemast könnte ein Signal direkt zu einer Antenne senden, während ein reflektiertes Signal von einem entfernten Hügel oder hohem Bauwerk vielleicht 100 bis 200 Nanosekunden später ankommt. Dieser Zeitversatz führt zu einem räumlichen Versatz auf dem Bildschirm und erzeugt das charakteristische Geisterbild, das horizontal neben dem Hauptbild versetzt ist. Bei analogen Fernsehsystemen hängt das Ausmaß des Ghosting von der Amplitude und der Phasenbeziehung des reflektierten Signals zum Direktsignal ab.
Mehrwegempfang ist in den meisten realen Umgebungen unvermeidbar, aber die Schwere des Ghosting hängt von der Ausrüstung und den Standortbedingungen ab. Eine Richtantenne, die von großen Reflektoren weggerichtet ist, reduziert die Amplitude verzögerter Signale. In manchen Fällen können gezielt positionierte reflektierende Flächen oder Schaltkreise zur aktiven Phasenauslöschung den Effekt minimieren. Allerdings hatten Privatempfänger der Mitte des 20. Jahrhunderts begrenzte Werkzeuge zur Minderung. Moderne digitale Fernsehsysteme handhaben Mehrwegempfang deutlich robuster durch Fehlerkorrektur und adaptive Entzerrung, weshalb Ghosting auch bei großer Mehrwegenergie weit weniger sichtbar wird.
Der Begriff Ghosting stammt direkt aus dem visuellen Phänomen: das sekundäre Bild wirkt wie ein schwaches, transparentes Gespenst des Hauptbildes. Das Wort kam in den 1940er und 1950er Jahren in die Fachsprache der Rundfunktechnik, als der Fernsehempfang weit verbreitet wurde und Mehrwegempfang zu häufigen Beschwerden führte. Techniker und Antennenfachleute wurden darin versiert, Ghosting an seiner charakteristischen visuellen Signatur zu diagnostizieren und Antennenneupositionierung oder höherverstärkende Richtantennen zu empfehlen.